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Dr. Christian Göke

Der ITB-Minus-Mann

Christian Göke, seines Zeichen CEO der Messe Berlin, tappte heuer von einem Fettnapf in den nächsten.

Es ist die größte Reisemesse der Welt. Eine Institution. Aber auch das kann einen Vorstand nicht daran hindern, mit beiden Füßen in den größtmöglichen Fettnapf zu springen. Und sich und sein Unternehmen bis über beide Ohren anzupatzen.

Wie vorgelebt von Messegeneral Christian Göke. Der schaffte es, jeden Freigeist, der irgendetwas mit Reisen zu tun hat, gegen sich aufzubringen. Mit einer ganz einfachen Maßnahme: Denn Malaysia, ein bekannt homophobes Land, dessen Regierung sich auch nicht scheut antisemitische Töne zu verbreiten, zum offiziellen Partner der ITB in Berlin zu machen. Ist so ungefähr das Dümmste, was man veranstalten kann. Und dann noch einen Tourismusminister einladen, der bei Fragen nach homophoben Trends in seinem Land zu antworten pflegt: „Homosexualität? Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land.“ Und noch dazu eingeschnappt reagierte bei Fragen von Journalisten zur Sicherheitslage von Menschen aus der LGBT-Community.

Man kann die Dummheit aber noch steigern. Wenn man als Messedirektor dafür verantwortlich ist, dass man just zur Malaysia-Patronanz zu einem „Queer (Schwulen)-Empfang“ einlädt, wohl wissend, dass in Malaysia Schwule und Lesben mit Prügeln bestraft werden. Und wo der Premier des Landes noch dazu gegen Juden hetzt. Dann ist das Fass voll.

Wir empfehlen: Treten Sie zurück, Herr Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin. Sie sind für die internationale Tourismusszene nicht haltbar. Sie ruinieren den Ruf einer Institution. Ihr Verhalten, ihre Wahl und ihre Reaktion sind letztklassig. Und ihre Nichtreaktion darauf, was Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop vorgeschlagen hatte, nämlich einen neuen Partner zu wählen, zeigt, dass es mit ihren Managementqualitäten nicht weit her ist.

Ein Scharia-Gericht in Malaysia ließ im September vorigen Jahres zwei Frauen vor Dutzenden Anwesenden verprügeln, die beim Versuch erwischt worden waren, in einem Auto Sex zu haben. Demnach schlugen Gefängnisaufseherinnen die beiden jungen Frauen mit Rohrstöcken je sechsmal auf den Rücken. Herr Göke fand es trotz dieser und anderer Vorfälle richtig, dass Malaysia in diesem Jahr das Partnerland der ITB in Berlin sei.

Wie kann man auf derart eklatante Menschenrechtsverletzungen mit dem Stehsatz „Wir sind Gastgeber. Und ein Gastgeber akzeptiert nicht, sondern hört zu“ kommen? Wie kann man die Prügelstrafe und weitaus schlimmere Repressionen, sei es aus sexueller Neigung oder religiöser Einstellung, einfach so mit einem „Wir sind ein auf Gewinnziele ausgerichtetes Unternehmen, das Kunden hat.“-Sager vom Tisch wischen? Göke soll seinen Hut nehmen und die größte Reisemesse der Welt wieder in professionelle Hände legen.

Bildcredit: Messe Berlin