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Kreuzfahrttourismus in Venedig in Gefahr

155 Millionen Euro geben jährlich Kreuzfahrtpassagiere und Crews in der Lagunenstadt aus.

Nachdem ein Kreuzfahrtschiff am Sonntag in Venedig beim Anlegen plötzlich außer Kontrolle geraten und in ein Boot voller Touristen gekracht ist, bangt der Kreuzfahrttourismus in der Lagunenstadt um seine Zukunft. 1,56 Millionen Kreuzfahrttouristen erreichten im vergangenen Jahr Venedig, was einem Plus von 9,3 Prozent gegenüber 2017 entspricht. 502 Mal hielten Kreuzfahrtschiffe in der Lagune.

Damit besetzt Venedig Platz zwei im Ranking der italienischen Häfen mit dem stärksten Kreuzfahrttourismus hinter Civitavecchia bei Rom. Einen Umsatz von 410 Millionen Euro generiert der Kreuzfahrttourismus in Italien, 4.000 Jobs hängen damit zusammen. Für Venedig ist die Kreuzfahrtbranche in den vergangenen Jahren zu einem wesentlichen Element der städtischen Wirtschaft aufgerückt. 155 Millionen Euro geben jährlich Kreuzfahrtpassagiere und Crews in Venedig aus. Kreuzfahrttouristen zahlen durchschnittlich für organisierte Touren in der Stadt 250 Euro, was deutlich über den Ausgaben normaler Besucher liegt.

Nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia im Jahr 2012 vor der Insel Giglio mit 32 Todesopfern hatte die Regierung in Rom den Verkehr größerer Passagierschiffe in Venedig deutlich eingeschränkt. Die Kreuzfahrtunternehmen verbannten Schiffe mit mehr als 96.000 Tonnen Gewicht komplett aus der Lagune und verringerten allgemein die Zahl der großen Passagierschiffe um rund ein Viertel. Doch kleinere Kreuzfahrtschiffe verkehren weiterhin im Giudecca-Kanal vor der Markusbasilika.

Seit dem Costa Concordia-Unglück haben sich fünf Regierungen in den vergangenen sieben Jahren mit dem Thema der Einschränkung der Kreuzfahrtriesen in Venedig auseinandergesetzt - ohne Resultate. Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, die Stadt müsse besser geschützt werden, meinte zugleich aber, man müsse nicht nur die Umwelt, sondern auch die Arbeitsplätze berücksichtigen. Klare Pläne scheint die populistische Regierung, die seit einem Jahr in Rom regiert, nicht zu haben.

Drei Projekte werden derzeit geprüft. Erwogen wird, dass die besonders großen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Als Alternativen gelten Kreuzfahrt-Terminals, etwa in Chioggia oder auf dem Lido. Von hier aus sollen Kreuzfahrtpassagiere an Bord kleinerer Schiffe nach Venedig geführt werden. Diese Forderung befürworten Umweltschützer und der Bürgervereinigung „No Grandi Navi“ („Keine großen Schiffe“), die seit Jahren die Kreuzfahrtriesen aus der Stadt verbannen wollen.

Der Bürgermeister der Stadt, Luigi Brugnaro, will weiterhin Touristen nach Venedig bringen. Schiffe sollen dafür den Frachtkanal Vittorio Emanuele benützen, der tiefer ausgegraben werden sollte. Damit ist eine Umfahrung der zentralen Sehenswürdigkeiten verbunden. Die Arbeiten für den Kanal dürften jedoch eine längere Zeit beanspruchen.

4.6.2019

APA/Red/DK

Bildcredit: Pixabay