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Das Herrenhaus Baskerville Hall war namensgebend für Sir Arthur Conan Doyles berühmte Sherlock Holmes Geschichte „The Hound of Baskerville“

 

Wer verreisen möchte, um das Fürchten zu lernen, kann quer durch Europa fündig werden. FaktuM hat recherchiert, wo es wirklich schaurig schön ist

 

Für eine Gruseltour muss man nicht weit in die Ferne schweifen. Unser Nachbarland Tschechien gilt als wahres Dorado für Mystik-Fans. In der Stadt Kutná Hora steht zum Beispiel das wahrscheinlich berühmteste Beinhaus der Tschechischen Republik.

Die Allerheiligenkirche am dortigen Friedhof ist in einen oberirdischen und einen unterirdischen Bereich geteilt – die obere Kapelle symbolisiert das Licht des Lebens, die untere Kapelle hingegen die Finsternis und den Tod. Der unterirdische Teil birgt auch das erwähnte Beinhaus, das im 18. Jahrhundert nach den Plänen des Barockarchitekten Santini errichtet wurde und Gebeine von mehr als 40.000 Menschen beherbergt. Im Inneren finden sich vier große Pyramiden, eine Deckenleuchte und die detailgetreue Nachbildung des Wappens derer von Schwarzenberg – alles aus den Überresten von Menschen angefertigt, die der Pest oder den Hussitenkriegen zum Opfer fielen.

Auch das zweitgrößte begehbare Beinhaus Europas befindet sich in Tschechien, in der mährischen Metropole Brünn. Die Friedhofskirche des hl. Jakob stammt aus dem 13. Jahrhundert und birgt bis zu 50.000 Opfer der Pest- oder Choleraepidemien sowie aus längst vergangenen Kriegen. Das Beinhaus wurde erst zu Beginn des neuen Jahrtausends entdeckt und kann seit knapp fünf Jahren von Besuchern besichtigt werden.

 

Bekannte Friedhöfe

Das Wandeln auf den Spuren des Todes führt unausweichlich bis an die Orte der letzten Ruhestätten. Ein Friedhof, auf dem eine ganze Reihe bedeutender tschechischer Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe fand, ist auf der Prager Festung Vyšehrad. Zum Andenken an diese Menschen wurde die gemeinsame Grabstätte „Slavín“ errichtet, deren Entwurf vom tschechischen Architekten Antonín Wiehl aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Eine alles andere als pietätvolle Atmosphäre herrscht auf einem anderen Prager Friedhof, im Stadtteil Bohnice. Der Friedhof erstreckt sich rund um die dortige psychiatrische Heilanstalt und zählt zu den gespenstischsten Orten in Prag. Der Friedhof wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts als letzte Ruhestätte für Patienten errichtet, derer sich keiner annehmen wollte, wodurch hier auch eine Reihe von Mördern und Verbrechern begraben liegt. Ihre bewegten Schicksale und die drastischen Methoden, die damals bei der Behandlung psychischer Krankheiten angewandt wurden, könnten der Grund dafür sein, warum viele Menschen an diesem Ort eine ungewöhnliche negative Energie spüren.

Ähnlich mysteriös ist auch der Friedhof in der südwestlich gelegenen Gemeinde Velhartice, denn die hiesige Kirche der hl. Maria Magdalena wird von manch einem Geheimnis umwoben. Eine der Legenden über ein junges Mädchen, das bei satanischen Ritualen und Versuchen, Tote wieder zum Leben zu erwecken, geopfert wurde, inspirierte den tschechischen Schriftsteller Karel Jaromír Erben zu der Horrorgeschichte „Svatební košile“ (Hochzeitshemd) aus der Gedichtsammlung „Kytice“ (Blumenstrauß).

 

Mystische Führungen durch Prag

Die düstere Geschichte der tschechischen Hauptstadt lässt sich auch auf einer geführten Tour erkunden. Die Wanderung folgt durch enge Gassen und verwinkelte Wege jenen Mördern, Alchemisten, Monstern und Geistern, die dort einst wandelten.

Im goldenen Zeitalter des Habsburger Kaisers Rudolf des Zweiten war Prag nämlich das spirituelle Zentrum mit zahlreichen Wundern und Geistern. Im Museum Mysteriae Pragensis wird heute noch lustig drauf los gespukt. Mit von der Partie ist der berühmte Golem und jener Teufel, der Doktor Faustus in die Hölle brachte. Zum Valentinstag werden im Geistermuseum von Prag die verliebten Geister gefeiert.

 

Mumien in Nordböhmen

Im Benediktinerkloster Broumov in Nordböhmen sind 34 Mumien aufgebahrt, die aus der Krypta der Pfarrkirche des Heiligen Prokop in Vamberk stammen. Im Rahmen einer eigenständigen Ausstellung werden fünfzehn von ihnen den Besuchern präsentiert. Die älteste Mumie stammt aus dem 17. Jahrhundert, die Mehrzahl jedoch erst aus dem 18. Jahrhundert. Es handelt sich vornehmlich um die Mumien der hiesigen Bürger, Priester, Orgelspieler und weiterer bedeutender Persönlichkeiten.

Auch im Schloss Detenice in Südböhmen versteht man sich auf Spuk. Das Schloss bietet Geister-Führungen und zahlreiche Abenteuer sowohl für kleine als auch für große Kinder an. In den Gemächern des Schlosses treiben jeden Samstag Teufel, Vampire, Gespenster und andere Ungeheuer ihr Unwesen. Bereichert wird die Besichtigung des Barockschlosses mit seiner einzigartigen Waffensammlung der Malteserritter durch eine Aufführung des Märchens „Dornröschen“. Und in der nahe gelegenen mittelalterlichen Schenke kann man authentische Gerichte genießen, die von Kellnern serviert werden, die aussehen, als seien sie mithilfe einer Zeitmaschine direkt aus dem Mittelalter hierhergereist.

 

Auf Draculas Spuren in Siebenbürgen

Ein absolutes Muss für Vampir-Fans ist ein Besuch des rumänischen Schlosses Bran. Seit Bram Stokers Bestseller „Dracula“ gilt es symbolisch als Herberge des Vampirfürsten. Das historische Vorbild der Romanfigur, der walachische Fürst Vlad III. Draculea, hat das Schloss aber wahrscheinlich nie betreten. Tatsächlich war Schloss Bran, der Lieblingsort der rumänischen Königin Maria. Nichts desto trotz lockt das Vampirschloss alljährlich hunderte Touristen an. Die wagemutigen unter ihnen können sogar eine Nacht in den geschichtsträchtigen Gemäuern verbringen – natürlich stilecht im Sarg.

 

Foltermuseen in Flandern

Gruseliges lässt sich auch in Brügge entdecken. In der belgischen Stadt kann man im Foltermuseum „De Oude Steen“ einen düsteren Blick in die Geschichte des Gerichtswesens werfen. In den Kellergewölben des ehemaligen Gefängnisses sieht man, wie vor 500 Jahren aus Hexen und anderen unbotmäßigen Menschen Geständnisse erzwungen wurden – mit Schädelpressen, Rattenkesseln, Daumenschrauben, glühenden Knochenbrechern und sonstigen sadistischen Werkzeugen.

Ein weiteres Foltermuseum ist die Burg Gravensteen in Gent. Das 1180 erbaute Gebäude diente in der Vergangenheit als Wohnsitz für Adelige, als Gericht und sogar als Gefängnis. Die steinerne Anlage ist sehr weitläufig und umfasst ein Foltermuseum, in dem furchterregende Instrumente zu sehen sind, die einst zum Einsatz kamen, darunter auch eine Guillotine. Zur Besichtigung kann ein Audio Guide erworben werden, der in 90 Minuten die Geschichte der Burg in ihrer Glanzzeit im 12. Jahrhundert erzählt.

 

Schauriges Schottland

Ein Hotspot für Gruseltouristen in Schottland ist Edinburgh. Die lange Geschichte der Stadt und ihr beeindruckendes Erscheinungsbild mit Edinburgh Castle und den vielen mittelalterlichen Fassaden machen sie zum perfekten Hintergrund für jede Geistertour. Schön schauerlich ist zum Beispiel eine Walking Tour über den Greyfriars Friedhof und in das zugehörige Mausoleum nach Sonnenuntergang. Auf diesem Friedhof soll der Mackenzie Poltergeist spuken: Unter Lord Advocate Sir George Mackenzie wurden hier in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts tausende Königsabtrünnige inhaftiert, ausgehungert, gefoltert und geköpft. Erst mit seinem Tod 1691 kamen die Schrecken zu einem Ende. Begraben im Mausoleum des Friedhofes, fristet er seitdem ein rastloses Dasein als Geist und gilt als der weltweit am besten dokumentierte Poltergeist, der Besucher des Friedhofes auch immer wieder angreifen soll.

Besonders Mutige können sich auch in die Gewölbe unterhalb der Stadt vorwagen. Um mehr Platz in der Stadt zu schaffen, wurden im 18. Jahrhundert komplette Viertel mit Tavernen, Weinkellern und Wohnmöglichkeiten unterirdisch geschaffen. Die vielen dunklen Ecken zogen Diebe, Mörder und andere Kriminelle an und bieten heute Stoff für zahlreiche gruselige Geschichten.

 

Geister und Jack the Ripper

Seit 2002 hält die nordenglische Stadt York den Titel der als weltweit am häufigsten von Geistern heimgesuchten Stadt. Mehrere hundert Begegnungen mit Spukgestalten wurden bereits verzeichnet. Die besonders blutige Geschichte der Stadt kommt den schauerlichen Erzählungen dabei nur zu Gute.

Eine der berühmtesten Erscheinungen ereignete sich im Jahr 1953: Der Klempner Harry Martindale verlegte unter der Schatzkammer die Zentralheizung für das Haus, als plötzlich das Blasen eines Hornes zu hören war und aus dem Nichts eine römische Legion mit Pferden aus einer der Ziegelsteinmauern marschierte. Wie sich später herausstellte, verlief zu Römerzeiten dort eine große Straße, die Via Decumana. Selbst beim Abendessen hat man in York Chancen, einen Geist zu sehen: Das Snickleway Inn gilt als einer der geisterhaftesten Pubs des Landes. Das Gespenst, das dort im Keller wohnen soll, wurde von verschiedenen Medien als das pure Böse beschrieben.

Einer der berüchtigsten Mörder der Welt trieb 1888 in Whitechapel sein Unwesen: Jack the Ripper. Mindestens fünf Prostituierte wurden auf grausame Weise in den düsteren Straßen des früheren Armenviertels ermordet. Jack the Ripper ist bis heute ein Unbekannter, und so ranken sich allerhand Theorien um seine wahre Identität. Auf abendlichen Rundgängen durch das Viertel laden kundige Guides die Besucher auf eine Spurensuche durch Whitechapel ein und gehen dabei auch zu den Original-Schauplätzen. Einen innovativen Ansatz bietet Ripper Vision: Mit kleinen Projektoren werden original Fotos, Filmclips und bewegte Bilder gezeigt.

 

Der Spuk von Baskerville Hall

Das berühmte Herrenhaus Baskerville Hall – am Rande des walisischen Brecon-Beacons-Nationalparks gelegen – war namensgebend für Sir Arthur Conan Doyles berühmte Sherlock Holmes Geschichte „The Hound of Baskerville“. Doyle war ein Freund der Familie Baskerville, die das Haus 1839 baute, und dort oft zu Besuch.

Es ranken sich jedoch nicht nur Legenden um die Hunde der Familie, sondern auch um zwei Geister, die regelmäßig von Gästen gesichtet werden. „Die weiße Frau“ wandelt oftmals durch den Rosengarten, und eine bisher unbekannte männliche Erscheinung wurde auf der großen Treppe im Haus gesichtet. Wer sich traut, mietet sich ein Zimmer und spitzt die Ohren, um etwaige nächtliche Schritte auf dem Gang und ein Klopfen aus den Tiefen des Hauses zu hören.

 

Die schauerlichsten Orte Irlands

Wer das Geistertreiben der alten Schlossbewohner und ihre schauerlichen Burgen sucht, findet in Irland reichlich Ziele. Das berühmteste gruselige Geisterhaus ist Loftus Hall, das auf Hook Head, einer Halbinsel in County Wexford, an den Flüssen Nore, Suir und Barrow erbaut wurde. Man nennt die Flüsse auch „The Three Sisters Rivers“ nach den einstigen Bewohnerinnen des düsteren Herrenhauses. Ihre Geister sollen bis heute in den 666 Jahre alten Gemäuern ausharren. Heute wird dort eine so großartige wie beklemmende „Geistershow“ realistisch inszeniert, die auch unerschrockene Gemüter in Schrecken versetzt. In den Berichten mancher Besucher ist sogar von supranormalen Erscheinungen in Fotokameras die Rede.

Blutige Geschichten und schwelende Mystik umgeben die meisten dieser tief in die irische Zeit eingegangenen Trutzburgen. Diese Zeit hat einen langen Atem und fast jedes Schloss seine Geister und umherirrenden verlorenen Seelen – so wollen und beleben es immer wieder die irischen Storyteller. Von gleich fünf Geistern wird das 800 Jahre alte Malahide Castle bei Dublin bevölkert. Darunter ist Puck, eine zwergenhafte Gestalt mit hagerem Gesicht, dessen Geist sogar fotografiert worden sein soll, als er aus dem Efeu am Schlosseingang lugte.

Leap Castle in County Offaly gilt sogar als der verwunschenste Ort Europas. Auch Ballygally Castle, heute ein hübsches Hotel an der Causeway Coastal Road in County Antrim, soll laut Berichten von einigen als Medien bewanderten Gästen von so vielen Geistern wie Gästen bewohnt sein. Die Liste der irischen Schlösser und alten Gemäuer und ihrer Verwünschungen, die sich auf historischen Ereignissen begründen, könnte ein Buch füllen. Gewiss ist aber, dass man um die Zeit von Halloween an diesen Orten erstaunliche Entdeckungen machen kann.n

 

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe FaktuM 2/2018!

 

Autor: Ute Fuith

Bildcredit: VisitBritain / Britain on View