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Jüngst startete easyJet eine bewegende Kampagne, mit der schon kleine Mädchen für den Zukunftsberuf „Pilotin“ begeistert werden sollen. Doch wie stehts mit der Gleichberechtigung bei anderen Airlines? FaktuM hat recherchiert.

 

Frauen haben in der Geschichte des Fliegens eigentlich schon eine lange Tradition. Als weltweit erste Frau erhielt Raymonde de Laroche am 8. März 1910 vom Aéro-Club de France den Pilotenschein. Marga von Etzdorf steuerte in den Dreißigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts eine Junkers A50 namens „Kiek in die Welt“. Zuvor hatte sie bereits 1927 einige Zeit als Co-Pilotin bei der damaligen Luft Hansa deren Junkers F13-Verkehrsflugzeuge geflogen.
Doch danach sollten 60 Jahre vergehen, bis wieder eine Frau in einem Lufthansa-Cockpit Platz nahm: Am 23. August 1988 hoben Nicola Lisy und Evi Hetzmannseder als erste Co-Pilotinnen für Lufthansa ab. Ihre Pilotenausbildung hatten die beiden in der Verkehrsfliegerschule Bremen im 154. Nachwuchsflugzeugführerlehrgang gemeinsam mit 14 männlichen Cockpit-Anwärtern absolviert. Flugstunden in der US-amerikanischen Stadt Phoenix im Wüstenstaat Arizona ergänzten ihr Ausbildungsprogramm. Nach zweijähriger Vorbereitung beendeten Lisy und Hetzmannseder in der zweiten Augustwoche 1988 erfolgreich ihr Flugtraining auf der Boeing 737 im kanadischen Montreal. Wie üblich flogen die beiden mit Check-Piloten (Ausbilder und Prüfer) zunächst einige Monate als Zweite Offiziere auf dem europäischen Streckennetz der Airline, bevor sie dann als Erste Offiziere im Cockpit einer Boeing 737-200 sitzen durften.
Nicola Lisy schrieb rund zehn Jahre später erneut Luftfahrtgeschichte, als sie am 31. Januar 2000 Einzug in die letzte Männerdomäne der Airline hielt und erster weiblicher Kapitän bei Lufthansa wurde. Ihre „Mitpionierin“ Hetzmannseder avancierte kurz nach ihrer Kollegin Anfang Februar 2000 ebenfalls zur Kapitänin. Diese Wortneuschöpfung hatte sich Lufthansa seinerzeit extra für Lisy, Hetzmannseder und alle ihre Nachfolgerinnen auf dem Kapitänssitz von der Gesellschaft für deutsche Sprache absegnen lassen.

Wunschberuf Pilotin

Heute liegt der Frauenanteil der Lufthansa Group Piloten bei 6 Prozent. Für die Kernmarke Lufthansa sind es aktuell sieben Prozent. Aus Sicht des Flugunternehmens noch lange nicht genug. Die Lufthansa Group verfolgt schon seit Längerem das Ziel, mehr Frauen ins Cockpit zu bringen. Die Aussichten sind gut: Bereits 15 Prozent der Pilotenanwärter in den aktuellen Lehrgängen der European Flight Academy, die Piloten und Pilotinnen für alle Airlines der Lufthansa Group ausbildet, sind weiblich.
Eine davon ist Magdalena Gruhn. Für die 29-jährige Flugschülerin ist „Pilotin der perfekte Beruf“. Als Gruhn in ihrem früheren Beruf als Flugbegleiterin eine Pilotin im Cockpit sah, wurde ihr klar: „Frauen können das auch. Ich will nach vorne!“ Viele Dinge unter einen Hut zu bekommen, zu kontrollieren, im Voraus zu bedenken, das seien die größten Herausforderungen auf einem Flug. Aber: „Es gibt doch keinen Grund, warum Frauen das nicht können sollten.“
Das findet auch Elke Hieber (53), die 1988 als einzige Frau im 17-köpfigen Lehrgang ihre Ausbildung bei Lufthansa begann und mittlerweile eine von zwei Kapitäninnen in der A380-Flotte des Kranichs ist. „Pilotin ist der perfekte Beruf mit spannenden Aufgaben und großer Flexibilität, um Familie und Beruf zu kombinieren“, sagt Hieber, die sich als Mutter zweier Kinder je zwei 18-monatige Auszeiten genommen hat und in unterschiedlichen Teilzeitmodellen flog. Dass die Berufswahl unabhängig vom Geschlecht sei, müsse mitunter erst in den Köpfen der Gesellschaft ankommen: „Viele Frauen kommen einfach nicht auf die Idee, sich für diesen Beruf zu bewerben.“

Kein reiner Männerjob

Auch easyJet bemüht sich darum, mehr Pilotinnen ins Cockpit zu locken. Ende August startete die Fluggesellschaft eine entsprechende Kampagne. Dazu veröffentlichte easyJet den Kurzfilm „Catch Up If You Can“, in dem eine berühmte Szene aus dem Hollywood-Film „Catch Me If You Can“, in der Leonardo DiCaprio einen Piloten verkörpert, neu verfilmt wurde. Damit hofft easyJet, falsche Vorstellungen aus Hollywood-Filmen wie Top Gun, The Aviator und Flyboys zu korrigieren, bei denen es sich beim Berufsbild Pilot um einen reinen Männerjob handelt. easyJet überraschte Urlauber und Geschäftsreisende am Flughafen London Southend, als die berühmte Szene mit Kindern im Alter zwischen fünf und neun Jahren neu inszeniert wurde und dabei ein Mädchen im Mittelpunkt stand.
Angeführt wird die Besetzung von der neunjährigen Hannah Revie, der Tochter der echten easyJet-Pilotin Emily Revie. Im Kurzfilm übernimmt Hannah DiCaprios Rolle in voller easyJet-Uniform, um junge Mädchen zu einer Pilotinnenlaufbahn zu inspirieren. Sie wird dabei von einer Buben-Entourage begleitet – ebenfalls Kinder von easyJet-Mitarbeitern –, die die Rolle der Kabinencrew spielt.

 

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Bildcredit: Fotolia/ Robert Kneschke