Skip to content. | Skip to navigation

 

NIKI zählte zu den begehrtesten Teilen der einst zweitgrößten Airline Deutschlands.

 

Lange hatten es die Spatzen schon von den Dächern gepfiffen, am 15. August war es so weit: Air Berlin, Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, musste die Insolvenz beantragen. Großaktionär Etihad hatte dem dauerhaft defizitären Partner die Unterstützung entzogen. Der Flugbetrieb wurde durch einen Kredit über 150 Millionen Euro der staatlichen deutschen KfW-Bank für etwa drei Monate gesichert. Zwei Tage später wurde ruchbar, dass sich die Lufthansa  aus der Insolvenzmasse 90 der 144 Flugzeuge  sichern wolle. Dazu will Lufthansa die österreichische Touristik-Tochter NIKI und weitere Flugzeuge übernehmen, hieß es. Sie sollen unter dem Dach der Lufthansa-Tochter Eurowings an den Start gehen. Am 20. August kam das Gerücht auf, dass die Lufthansa bei den Verkaufsgesprächen für Air Berlin bevorzugt würde: Im Gläubigerausschuss sitzt auch ein Vertreter der Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Weitere Interessenten waren  EasyJet, TUIfly sowie Condor.

Am 23.8. beschlossen die Gläubigerausschüsse die weitere Betriebsfortführung als Ganzes sowie die Weiterführung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Dass sich die Lufthansa die besten Stücke schnappt, schien damit ausgeschlossen. Dennoch biete die Lufthansa für Niki und weitere Teile der Air Berlin. Niki gehört mit ihren geringen Kosten und einer modernen Airbus-Flotte zu den begehrten Teilen des Air-Berlin-Konzerns. 

Am 13. Dezember stellte dann die NIKI Luftfahrt GmbH Insolvenzantrag. Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther versuchte dann, den Geschäftsbetrieb von NIKI durch einen Schnellverkauf („Fire Sale“) zu retten. Infolge des Insolvenzantrags musste NIKI den Flugbetrieb allerdings einstellen.  Flöther wolle  umgehend Gespräche mit infrage kommenden Investoren aufnehmen, um einen möglichst großen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten. Ein Verkauf würde über den Verkauf des Geschäftsbetriebs bzw. von Teilen des Geschäftsbetriebs („Asset Deal“) vollzogen. Die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs war nach der Air Berlin-Insolvenz  nur per Unterstützung durch die Lufthansa möglich. Nachdem die Lufthansa dann doch nicht bereit war, die Auflagen der EU-Kommission für die NIKI-Übernahme zu erfüllen, trat die Lufthansa vom Kaufvertrag zurück und stellte die Unterstützungszahlungen ein. 

Die NIKI Luftfahrt GmbH beschäftigte zuletzt rund 1.000 Mitarbeiter. Davon sind rund 210 Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt, rund 790 in Österreich. (Siehe auch: Leitartikel auf Seite 7). Die Löhne und Gehälter der deutschen Arbeitnehmer sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Nach aktuellem Stand wurden bis zum Insolvenzantrag der Fluglinie rund 410.000 NIKI-Flugtickets ausgestellt.

Bildcredit: FlyNiki