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Spuren im Körper

Ein aktuelles Beispiel zu Beginn: Die University of Exeter und das Plymouth Marine Laboratory untersuchten 2018 102 Schildkröten von sieben unterschiedlichen Arten aus drei Ozeanen. Und die Studienergebnisse zeigten: Jede einzelne hatte Mikroplastik im Verdauungstrakt. Auch andere Meeresbewohner wie Makrelen, Seevögel oder Pottwale sind nachweislich betroffen. In verschiedenen Studien wiesen Wissenschaftler hohe Konzentrationen von Kunststoffrückständen im Magen-Darm-Trakt der untersuchten Tiere nach. Kleinere Partikel fanden sich auch im Blut, in der Lymphe und der Leber.

Ein erster Nachweis von Mikroplastik im menschlichen Organismus gelang dann im Herbst 2018 an der Medizinischen Universität Wien. Die Ergebnisse sorgten international für Aufsehen. Denn es handelte sich zwar nur um eine sehr kleine Pilotstudie mit acht Probanden aus acht Ländern. Doch selbst die Wissenschaftler überraschte, dass einerseits in den Stuhlproben aller acht Probanden Mikroplastik nachgewiesen wurde. Und dass so viele unterschiedliche Kunststoffe aufzufinden waren. „Wir konnten neun Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometern nachweisen“, schildert Bettina Liebmann vom Umweltbundesamt, wo die Stuhlproben im Labor analysiert wurden. „Im Mittel fanden sich 20 Mikroplastik-Teilchen pro 10 Gramm Stuhl.“

Die Konzentrationen von PP (Polypropylen) und PET (Polyethylenterephthalat) waren durchwegs am höchsten. „Das heißt jedoch nicht, dass Kunststoffverpackungen von Lebensmitteln und PET-Flaschen allein das Problem sind“, erklärt Liebmann in der Ärzte Woche. „Gerade Polypropylen wird auch für viele Gegenstände verwendet, die nicht direkt etwas mit Lebensmitteln und deren Verpackungen zu tun haben. In der Küche gibt es beispielsweise Schneidebretter und Suppenlöffel aus Kunststoff. Auch unsere Kaffeemaschinen und Wasserkocher sind in der Regel aus Plastik hergestellt. Wenn wir nervös sind, kauen wir vielleicht auf unseren Kunststoffkugelschreibern herum. Und so weiter.“ Die Eintrittsmöglichkeiten von Mikroplastik in den menschlichen Körper seien dementsprechend vielfältig. Zusammenhänge zwischen dem Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik konnten im Rahmen der Studie aufgrund der geringen Zahl der Probanden nicht hergestellt werden. 

In Kosmetik und am Teller

Laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, kurz AGES, muss zwischen primärem Mikroplastik unterschieden werden, das gezielt in dieser Größe produziert wird und zum Beispiel in Kosmetikprodukten enthalten sein kann, und sekundärem Mikroplastik, das durch Zerfallprozesse von Kunststoffprodukten oder -abfällen oder beim Waschen synthetischer Kleidung entsteht. 

Bei Kosmetikprodukten ist ein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher zwar unwahrscheinlich. Dennoch haben sich mittlerweile viele Kosmetikunternehmen zum freiwilligen Verzicht auf primäres Mikroplastik bekannt. Zum Großteil kommt dieses in sogenannten Rinse-off-Produkten zum Einsatz, die nach der Anwendung abgewaschen werden, wie Peelings, Zahnpasten, Flüssigseife oder Duschgels. Eine Aufnahme über die gesunde Haut sei nicht zu erwarten, heißt es seitens der AGES. Auch durch das versehentliche Verschlucken von Zahnpasta könnten die Partikel aufgrund ihrer Größe nur in äußerst geringen Mengen über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Der Großteil werde vermutlich wieder ausgeschieden. Jedenfalls gelangen die Partikel jedoch über die Kanalisation in die Umwelt.

Sekundäres Mikroplastik gilt als noch gefährlicher hinsichtlich der Auswirkungen auf die Natur und die Gesundheit von Mensch und Tier. Denn es zeigt Alterungserscheinungen. Will heißen: Die Oberfläche der Plastikteilchen wird aufgeraut und porös und wirkt dadurch wie ein Schwamm, der Umweltschadstoffe bindet. Diese gelten teilweise als krebserregend und erbgutschädigend. Sekundäre Mikropartikel kommen wesentlich häufiger vor als primäre und stellen vor allem in den Meeren ein Problem dar.

 

Den vollständigen Artikel finden Sie im ExtraDienst 1/2019

Bildcredit: Pixabay