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Der Fernsehabend von ServusTV versprach das, was Didi Mateschitz’ Sender, angereichert mit Österreichs bester Journalisten-Riege (Der Club der toten Dichter) üblicherweise hält: Auf hohem Niveau, anspruchsvoll und oftmals auch einigermaßen fad. Womit sich gewisse Reichweiten erklären. Doch dieser Abend war dann wirklich etwas Außergewöhnliches. Denn da zog Peter Schröcksnadel, seines Zeichens ÖSV-Präsident, Herr über das Wintersportmonopol, die Skirennfahrer und gewaltige Budgets sowie die weltweite Vermarktung des Sports Nr. 1, so richtig vom Leder und präsentierte seine kruden Ideen zum Thema Wintersport. An einem bestimmten Punkt der Sendung schaltete ich mein stets griffbereit neben mir liegendes Tonband ein. Ich konnte nicht packen, was der Herr Präsident da verzapfte. 

Und dann fiel mir die wichtigste Frage ein, die man sich stellen muss, wenn einer Verrücktheiten durch den Äther schickt: Die Frage stammt von den alten Römern. Sie lautet: „Cui bono“. Oder auf deutsch: „Wem nutzt es?“ Warum versucht er, die ganze Nation krumm und schief zu reden, mit Ansichten, die jedem Wissenschaftler die Grausbirnen aufsteigen lassen? Die Antwort ist relativ einfach. Weil dem Präsidenten die Felle davonschwimmen. Im wahrsten Sinne des Wortes. So hat sich in den letzten Jahren – bedingt durch den Klimawandel – das gesamte Tourismusgeschehen verlagert. Gab es vor vielen Jahren noch die Wedelwochen Ende November/Anfang Dezember, müssen die heimischen Hoteliers und Tourismus-Verbände nun mit einem weitgehend schneearmen Dezember zurechtkommen. Viele haben sich auf Wellness, Events, Großveranstaltungen, Volksmusik und Adventzauber umgestellt, die weiße Pracht ist freilich in diesen so wichtigen Startwochen des Tourismus weitgehend verschwunden. So zierte jüngst ein Foto von Kitzbühel die Gazetten dieser Welt. Ein weißes Kunstschneeband, eingebettet in eine grüne Landschaft. Anachronistisch. Verrückt. Götterdämmerung für den Wintertourismus.

Dieses Szenario ist für einen Schröcksnadel äußerst bedrohlich. Und er muss seine Mitstreiter, seine Sponsoren, seine Geldgeber, jene, die sein Säckel mit vielen Talerlein füllen, laufend beruhigen. Denn das Skifahren beginnt – nochmals klar gesagt – wissenschaftlich bewiesen und begründet definitiv erst im Jänner. Die Saisonen sind kürzer geworden. Und dann kommt noch ein Effekt, den Vizekanzler HC Strache gerade für sich, seine Partei und sein Sportministerium zu nützen sucht: Die Schulskikurse sind drastisch zurückgegangen. Einerseits aus Kostengründen, andererseits deshalb, weil der Anteil der nichtheimischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung (ich habe mich bemüht, das jetzt politisch korrekt zu formulieren) immer weiter zunimmt und jene, die keine Alpenwurzeln haben, wenig Lust haben, ihren Nachwuchs auf die Skipisten zu schicken. Oder einfach das Geld nicht aufwenden wollen. Von der ServusTV-Sendung bis zur diesmaligen Titelgeschichte war es dann nur mehr ein kleiner Schritt. FaktuM-Autor Alexander Haide krallte sich den Präsidenten zum Interview. Dort bleibt er wortgetreu bei dem, was er auf ServusTV verzapft hat. Wir freilich lassen das nicht so stehen. Und haben uns die anerkanntesten Wissenschaftler geholt, die das, was der Präsident uns weiszumachen versucht, haarklein zerpflücken. Und beweisen, dass man nicht alles glauben soll, was einem einer aufs Aug drückt, der seine Finanzbasis sichern will. 

Es ist ein wesentliches und spannendes Thema für den Tourismus. Vielleicht sollte der eine oder andere von Ihnen, wenn ihm ein Herr Schröcksnadel über den Weg läuft, dem Kontra geben. Denn die Wahrhaftigkeit ist einer der größten Erfolgsbringer in unserem Geschäft. Lügen haben kurze Beine, und mit kurzen Beinen gewinnt man keine Skirennen. Weiß nicht nur ...  

 

Ihr

 

 

Christian W. Mucha 

Herausgeber