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Leitartikel von Christian W. Mucha

 

 

42 Jahre. Eine lange Zeit. Davon 25 Jahre FaktuM, unsere Reise-Zeitschrift, mit der wir heuer ein rundes Jubiläum feiern. Wenn ich auf meiner Bücherwand auf rund zehn Meter gebundene Jahresbände jener Zeitschriften, die ich in all diesen Jahren produziert habe, blicke, dann werde ich wehmütig. Kann es aber auch nicht fassen, dass ich das, was mein Großvater mir geraten hatte, in diesem Leben realisieren konnte. Er meinte: „Das Einzige, was in einem Berufsleben zählt, ist die Qualität der langen Strecke. Jeder Nichtsnutz kann auf schnelle Art Geld verdienen. Aber über einen langen Zeitraum eine gleichbleibende Leistung zu bringen – das ist die Qualität, die Respekt verdient.“ 

Ich habe mich bemüht, seinem Rat zu folgen, und bin stolz darauf, dass in diesen 42 Jahren nur eine einzige Ausgabe einer Zeitschrift nicht erschienen ist. Krankheitsbedingt. 

Die letzten zweieinhalb Jahre waren freilich einigermaßen hart. Wer mein Schicksal verfolgt hat, der wird wissen, dass ich mit einer schweren Krankheit kämpfen musste, aus der ich – dank der Behandlung des Naturheilers Christian Aumüller – im letzten Sommer völlig gesund wieder hervorgegangen bin. Doch in dieser Zeit habe ich zum ersten Mal so etwas gezeigt wie Schwäche. In unserer „Leistungs-Gesellschaft“ geht’s zu wie in der Savanne. Sagt man. Nur wer stark genug ist, im Rudel mitzulaufen, wird nicht von den Hyänen gefressen, die hinten nachlaufen und warten, wo einer lahmt. Ich hatte das nie geglaubt. Mit Treue, Partnerschaft, Respekt gerechnet und damit, dass man es sich auch leisten kann, Schwächen zu zeigen. Heute weiß ich: Davon ist keine Rede. Schon wenige Wochen, nachdem ich – was mittlerweile revidiert und Schnee von gestern ist – angekündigt hatte, mein Unternehmen abzugeben, saß ich bei einer großen Veranstaltung, wo ich immer einen Ehrenplatz bekommen hatte, plötzlich in der 47. Reihe links hinten. Ich erhielt keine Einladungen mehr, viele Kunden strichen die Budgets. Alles nach demselben Strickmuster: Der ist waidwund, der zieht sich zurück, mit dem brauchen wir nicht mehr zu rechnen, den streichen wir von unserer Liste. 

In solchen Zeiten lernst du, wer deine wahren Freunde sind. 

Ich habe meine Lektion gelernt. Und verstanden, dass die Weisheit von Oscar Wilde (1854-1900), wonach in unserer Gesellschaft nur die Jugend, die Schönheit und die Stärke zählen, auch heute, im 21. Jahrhundert, so gilt wie damals, als er sein „Bildnis des Dorian Gray“ veröffentlichte. Die, die mich und FaktuM abgeschrieben haben, haben freilich im letzten Jahr eine herbe Überraschung erlebt: Weil wir wieder zurück sind. Und stärker als je zuvor. Mit dem vorliegenden Heft zu Beginn unseres 26. Erscheinungsjahres und damit vor unserem 25. FaktuM-Geburtstag bringen wir das stärkste Heft, das je im Mucha Verlag/der MG MedienGruppe erschienen ist, auf den Markt. 

Und da wir im vorigen Jahr schon einige tolle Ausgaben präsentiert haben und da denen, die mich über Nacht links liegen ließen, auch schon im vorigen Jahr aufgefallen ist, dass da plötzlich wieder starke Zeitschriften erscheinen, legten wir 2018 das beste Jahr unserer Verlagsgeschichte hin. 

Bis auf ganz wenige sind all jene, die mir direkt oder indirekt zu verstehen gaben, dass sie uns von ihrer Liste der wichtigen Partner gestrichen haben, wieder zurückgerudert. Plötzlich erhalten wir wieder jede Einladung, über Nacht bin ich plötzlich wieder wer, plötzlich hat sich der Wind gedreht. Und jene, die ich meine, wissen ganz genau, dass ich sie meine, wenn sie diesen Leitartikel lesen. 

Ich habe viel gelernt in diesen schwierigen letzten zweieinhalb Jahren. Meine Naivität und meinen Glauben habe ich in so manchem Punkt abgelegt. Freilich möchte ich an dieser Stelle auch all jenen ein Dankeschön sagen, die zu der Zeit, als ich mir erlaubt habe, durch die Fügung des Schicksals Schwäche zu zeigen, an meiner Seite gestanden sind, treu zu uns gehalten haben und uns nicht abgeschrieben haben. Verbunden mit dem Versprechen, dass ich diesen Job und diese Aufgabe, die mir seit so vielen Jahren so viel Spaß machen, die nächsten Jahre, wenn mir der Herrgott weiterhin gute Gesundheit schenkt, gerne vergnüglich weitermachen werde. Freilich mit einem klaren Blick. Und mit dem Wissen, dass ich manche Zusammenhänge durchschaut habe, die ich so niemals erwartet hätte. So gesehen war es eine wertvolle Erfahrung, die ich gemacht habe. 

Ihnen allen, die an der Lektüre von FaktuM Spaß haben und uns seit Jahrzehnten begleiten und uns die Treue halten: Dankeschön. We are still going strong. 

Herzlichst Ihr 

Christian W. Mucha 

Herausgeber 

 

Bildcredit: Privat