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Er ist wieder da. Nach 27 Jahren Pause ehrt FM herausragende Branchengranden heuer wieder mit dem begehrten FM Incomingpreis.

 

Es war die goldene Ära. Wir feierten die Feste, wie sie fielen. 12 Jahre vergaben wir die legendären FM Incomingpreise. Den ersten 1980, den bislang letzten 1991. Ob im noblen Wiener Palais Schwarzenberg, im Schloss Wilhelminenberg, im Salzburger Casino, am Mönchsberg oder im Feriendorf Rogner am Faaker See, die Locations waren so schön, schräg und außergewöhnlich wie unsere illustre Gästeschar. Der FM Incomingpreis hat sich jenen, die damals dabei waren, wohl auf Lebenszeit eingeprägt.

 

Die Idee dazu war einfach. Dr. Adolf Löwy, mein kongenialer Mitbegründer von FM, und ich diskutierten darüber, was ein Tourismusexperte sei. Ich war verzweifelt. Denn ich hatte vom Fremdenverkehr, wie unsere Branche damals abwertend genannt wurde, definitiv keine Ahnung. Löwy klärte mich auf: „Die Touristen, die aus dem Land hinausgehen, bezeichnet man als Outgoing. Die, die ins Land kommen, als Incoming. Wenn du diese beiden Begriffe möglichst oft benutzt“, schwadronierte er, „dann wird dich jeder ab der ersten Sekunde für einen Experten halten.“ Gesagt. Getan.

Von der Gründung des Verlages bis zu unserem ersten FM Incomingpreis war es dann nur mehr ein kleiner Schritt. Den ersten Preis vergaben wir 1980 ans Radio Holiday Team. Die neue Sendeidee von Rudi Klausnitzer machte aktiv Lust auf Urlaub in Österreich. Und machte für uns Einheimische unser Land wieder attraktiv. Das Team um Nora Frey, Heinz Zuckerstätter und Reinhard Mildner wurde zum absoluten Hinhörer und damit zum großen Erfolg in der österreichischen Medienszene.

Das Fest in Kärnten begann dagegen mit einer, wenn auch lustigen, Panne. Ich, dem Sport im Sinne Churchills schon seit jeher ein Gräuel ist, nahm beim Langlaufen die falsche Richtung und wurde Letzter. Die Presse kommentierte das hämisch. Dennoch war es der Startschuss zu einer ganzen Reihe von außergewöhnlichen Festen, bei denen wir Personen, Institutionen, Unternehmer und Proponenten, die Großes für unseren wichtigsten Wirtschaftszweig leisteten, couragierten, lobten und vor den Vorhang baten. Wir wollten ihnen damit namens der Branche Danke sagen. Weltweit reisen heute mehr als eine Milliarde Menschen. Jeder zehnte Arbeitsplatz der Weltwirtschaft ist dem Tourismus zuzuschreiben. Im Österreich gibt es jährlich über 40 Millionen Ankünfte und 140 Millionen Nächtigungen. Diese Beispiele dokumentieren wohl eindrucksvoll, wie wesentlich der seinerzeit Fremdenverkehr geschimpfte Bereich für unsere Wirtschaft ist. Da kann man sich auch vorstellen, welchen Stellenwert die Touristik dem FM Incomingpreis einräumte. Minister wie der legendäre Josef Staribacher, der langjährige Staatssekretär Dr. Anton Würzl oder der Präsident der Hoteliervereinigung, Kommerzialrat Ernst Skardarasy, und Generalsekretäre wie Walther Czerny prägten auch unsere FM Incomingpreise.

 

Der Ablauf der Feste war immer gleich. Wir starteten mit der Coverstory, in der wir die Leistungen unserer Geehrten penibel recherchierten und würdigten. Man will ja nicht, dass man wie im trend zum „Mann des Jahres“ gekürt wird und dann postwendend in der Versenkung oder in der wirtschaftlichen Pleite verschwindet. Doch sogar unser FM Incomingpreis konnte Friedrich Jahn nicht helfen, dass sein Milliardenimperium Jahre später zusammenbrach.

Mit den Geehrten und Gästen feierten wir an den schönsten Locations und berichteten ausführlichst darüber.

Jedes Fest wurde mit einer launigen Festrede eröffnet. In den ersten Jahren hielt sie Dr. Adolf Löwy, und nach seinem Ausscheiden übernahm ich diese Ehre. Es folgte die Laudatio eines Prominenten. Und danach die Dankesrede der Ausgezeichneten, die uns so manchen schrägen Moment bescherte. Denn als André Heller 1986 mit dem Preis ausgezeichnet wurde, hatte er das Ganze ein wenig missverstanden und brachte breit gefächerte Kritik am Tourismus an. Da seine Rede durchaus lesenswert ist und die Copyrights immer noch bei uns liegen, möchten wir Ihnen diese im Heft nicht vorenthalten. Nachzulesen auf Seite 30. Sie begann mit den legendären Worten „Ich brauche überall auf der Welt nur den schlechtest, aber dennoch teuer gekleideten Menschen zu folgen und gelange traumwandlerisch zu Austrian Airlines.“ Ein Riesenskandal, ein ganzseitiger Bericht im Kurier, die Branche war aus dem Häuschen. Und FM hatte tolle Presse.

Der Schlussgag jedes FM Incomingpreises war dann eine Überraschung für den Geehrten. So gab es für Toni Arnsteiner Skimützen, für Leo Wallner wurde ein Lied komponiert, das ihm die Prominenten vorspielten, und für André Heller brachten die Gäste Erinnerungen aus ihrer Kindheit mit. Da floss manches Tränlein, als der Geehrte von Tisch zu Tisch ging und sich die Geschichten erzählen ließ.

Freilich gab es auch so manche Peinlichkeit. Abgesehen von meiner Wenigkeit, die in die falsche Loipenrichtung fuhr. Auch etliche Referenten griffen daneben. Am schlimmsten war wohl die Wutrede von André Heller, knapp gefolgt von einem Ausrutscher des mittlerweile schon verstorbenen Verkehrsbüro-Generaldirektors Ernst Stock, der als Hauptsponsor der Veranstaltung auf dem Wilhelminenberg sich in seiner Rede mehrfach nach meiner bezaubernden Gattin erkundigte. An ihm war unsere Scheidung wohl komplett vorübergegangen. Alle anderen wussten bereits, dass ich beim Fest in charmanter Begleitung war, die es peinlich vermied, fotografiert zu werden. Nur der Stock wusste es nicht.

 

Den Vogel schoss jedoch jenes Fest ab, dessentwegen es den FM Incomingpreis dann nicht mehr gab. Denn gleichzeitig dazu starteten wir im Verlag auch den WerbeEDward, den Preis für die besten Printsujets, Spots und Plakate des Jahres. Und dort widerfuhr mir und meiner zweiten Frau etwas, das dazu führte, dass ich seither (geschäftlich) nie wieder ein großes Fest ausrichtete.

Meine Ex, angetan mit langen Handschuhen, darüber den glänzenden Verlobungsring tragend, begrüßte 250 Gäste mit einem netten Handschütteln. Beim letzten war der lupenreine Mehrkaräter weg. Schrecksekunde. Ich wusste, dass einer meiner Gäste – ob männlich oder weiblich – das teure Stück eingesteckt hatte oder wohl noch am Leib trug.

Meine Ex saß tränenaufgelöst auf der Toilette. Was tun? Die Polizei rufen? Alle Ehrengäste, angefangen vom ORF-Generaldirektor über die Granden der heimischen Medien- und Werbeszene, perlustrieren lassen? Ich entschied mich, so zu tun, als wäre nichts. Stieg auf die Bühne und brachte die Veranstaltung mit einem professionellen Lächeln (the show must go on) zu einem würdevollen Abschluss. Es wurde die letzte Party, die ich fürs Geschäft schmiss. Zu widerwärtig war mir dieser Gedanke, dass unter den Eingeladenen eine(r) mit dem Verlobungsring meiner Frau im Publikum saß.

 

Mittlerweile sind Jahrzehnte vergangen. Gras ist über die Sache gewachsen. FM steht vor einem Neuanfang in der MG Mediengruppe. Warum nicht an die seinerzeitigen großen Feste anschließen? Wer weiß, wie oft wir noch Grund zum Feiern haben. Lassen Sie uns den Moment genießen. Und da gibt es ja die Manager des Airports, Julian Jäger und Günther Ofner, die am Verbot der dritten Piste – erst rechtlich und mittlerweile wieder revidiert – genug zum Kiefeln hatten. Die ein hervorragendes Unternehmen führen und Wien zum Drehkreuz des internationalen Tourismus ausgebaut haben. Und sich mit Gegenwind etwa von der Hagelversicherung herumschlagen müssen, deren Vorstand (der übrigens auch Aufsichtsrat der ÖBB ist ?!) gegen Bodenverlust, gegen Landverlust („Zu viele Bauern sperren zu“) stark macht. Wo Volkswirtschaft derart hanebüchen und logikfrei lobbyiert wird, kann man nur mehr den Kopf schütteln. Und selber an die Öffentlichkeit gehen.

 

Und da ist Hans-Werner Frömmel, der umtriebige Werzer-Proponent, der Pörtschach komplett umbauen will. Mit einem eigenen zusätzlichen Hafen, mit einem neuen Kongresshaus und einem neuen Ortszentrum. FM berichtete darüber. Nur gibt‘s da leider viele örtliche Proponenten, denen der Tourismus schon immer ein Dorn im Auge war. Und die tun alles, um eines der innovativsten Projekte in einem traditionellen Tourismusort, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat, zu verhindern.

Jäger und Ofner einerseits, Frömmel andererseits erhalten – auf zwei von einander unabhängigen Festen – den FM Incomingpreis 2018.

Und für Sie, geschätzte FaktuM-Leser, machen wir ab Seite 20 eine Retrospektive auf die zwölf goldenen FM Incomingpreisträger. Leider sind die meisten von ihnen, wie Ernst Stock, Leo Wallner oder Friedrich Jahn, nicht mehr unter uns. Doch sie bleiben uns in Erinnerung und begegnen uns auf einer berührenden Reise in die Vergangenheit.

 

Herzlichst,

Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber

 

Bildcredit: Privat