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NIKI, die nach dem Vornamen von Nikolaus Lauda benamste Fluglinie – vormals im Eigentum der insolvent gewordenen Air Berlin –, hat mit ihrer jüngst bekannt gegebenen Insolvenz ein ordentliches Chaos ausgelöst. 40.000 Passagiere waren Mitte Dezember gestrandet. Den 6000 betroffenen Österreichern ist das so sauer aufgestoßen, dass wegen des ätzenden Magensaftes von denen gleich die größte OMV-Gasstation in Airport-Nähe in die Luft geflogen ist.

200.000 Passagiere (in der Touristik meint man Wahnsinnige – man könnte die aber auch als naiv oder gutgläubig bezeichnen) haben nach der Air Berlin-Insolvenz noch NIKI-Tickets gekauft. Und könnten auf Kosten sitzen bleiben. Es sei denn, sie hatten eine Pauschalreise gebucht. Während die TUI dem Vernehmen nach davon nicht betroffen war, haben Billa Reisen oder Thomas Cook angeblich dabei ordentlich abgebissen... Wie Niki Lauda, der Gründer, der sich bei jedem Airline-Deal selbstbewusst ins Gespräch bringt und sich als Bieter für die österreichische Fluggesellschaft präsentiert, moniert, hat die Lufthansa damit den großen Schnitt gemacht.

Nun ist es ein altes Geheimnis, dass man die besten Geschäfte immer dort machen kann, wo man es am wenigsten vermuten würde: Nämlich dort, wo ein anderer pleite geht.

Diesbezügliche Spezialisten, freundlich mit dem Begriff „Aasgeier“ umschrieben, zählen weltweit zu den Gesellschaften mit den höchsten Renditen. 

Kein Wunder, dass die Strategen der Lufthansa – zumindest wirft denen das Niki Nazionale vor – sich äußerst interessiert an der Verwertung der wirtschaftlichen „Schrott-Substanz“ von NIKI gezeigt haben. Lufthansa, so ätzt er, wolle NIKI zerstören. Sie wolle die Rückgabe zunächst übernommener Jets blockieren, um bei der Neuvergabe von Start- und Landerechten günstig zuschlagen zu können. Diese Slots haben nur eine kurze Lebensdauer, bevor sie verfallen. Weshalb jede Übernahme – vom wem auch immer, sei es von Lufthansa, Ryanair, Thomas Cook oder Niki Lauda himself – sehr flott erfolgen müsste. LH hatte Rechte an NIKI-Jets von Leasingfirmen übernommen, will die aber nun wegen der Haltung Brüssels (die EU-Kommission hat Bedenken wegen der Wettbewerbslage) nicht mehr. Die Lufthansa selbst dementiert diese Vorwürfe. Es sei klar geregelt, dass die EU-Kommission schon während der Prüfungsphase ausnahmsweise erlaubt habe, NIKI-Jets zu erwerben – und zwar im Interesse einer Aufrechterhaltung des Flugbetriebs. Nur so habe „die Überlebensfähigkeit der NIKI“ sichergestellt werden können. Falls die Übernahme durch die Lufthansa nicht genehmigt würde, sei vereinbart gewesen, dass gekaufte oder geleaste Flugzeuge einem Erwerber „zu Marktkonditionen zur Verfügung gestellt werden müssen. Selbstverständlich werde sich die Lufthansa Gruppe an diese Vorgaben halten. Sie hat das bereits Air Berlin und NIKI mitgeteilt.“ NIKI-Insolvenzverwalter Lucas Flöther, so berichtet die Süddeutsche Zeitung, zeigte sich indes optimistisch, dass die Rettung der Fluglinie gelingen kann: Es gebe ein enormes Interesse, der Zeitplan sei allerdings eng. „Wir haben zunächst eine Sieben-Tages-Frist, die aber von den österreichischen Behörden auch noch bis nach den Feiertagen verlängert werden könnte“, so Flöther. 

Niki Lauda ist über all das stinksauer. Und spricht davon, dass die Lufthansa sich „heimlich“ fast die gesamte NIKI-Flotte geholt habe. NIKI hatte zuletzt 21 Airbus-Maschinen sowie sieben Flugzeuge der TUI-Tochter TUIfly. Nun habe sie nur noch zwei oder drei Maschinen. „Wenn die Flugzeuge weg sind, müssen die Slots zurückgegeben werden“, sagt Lauda. Dann laufen nämlich die AOCs aus, die Air Operation Certificates, die Flugbetriebsgenehmigungen. Und ohne Flotte und Slots ist NIKI wertlos. Damit werde der ganz brutale Plan der Lufthansa offensichtlich, empört sich Lauda im Kurier. Er resümiert: „Die Lufthansa bekommt NIKI nicht, hat sich aber die Flugzeuge gesichert, sucht um die Slots an und bekommt diese auch. NIKI aber ist zerstört.“ Laut Brancheninsidern hat die Lufthansa ein Gutachten erstellen lassen, dass sie die NIKI-Maschinen nicht rückstellen muss. Europas größter Airline-Konzern braucht die Flugzeuge, die Slots und viele der NIKI-Mitarbeiter dringend, um die eigene Billig-Tochter Eurowings auf Vordermann zu bringen.

Soweit die Fakten. In einem Spiel, wo es um Zeit geht, um Nerven, um profitable Leichenfledderei und um strategische Marktbereinigung. Die PR-Strategen der Lufthansa wiegeln ab, beruhigen, besänftigen, dementieren, dass es nur so eine Freude ist.

Deren Kalkül ist ganz einfach: Der Markt vergisst schnell. Wenn die touristischen Menschenströme selbst schwere Terroranschläge heutzutage innerhalb weniger Monate verdauen, vergessen, verdrängen und wieder buchen, dann werde auch eine kleine Aasgeierei vom Feinsten keine nachhaltigen Auswirkungen aufs Geschäft haben.

Ich bin da definitiv anderer Meinung: Eines von jenen Unternehmen, die mir immer ­zutiefst auf den Keks gegangen sind, ist der Elektrokonzern N.N. Deren seinerzeitiges Produktportfolio war im Vergleich zum Mitbewerb ganz schön teuer. Was wir konkret bei unserer Telefonanlage mitgemacht haben, ist unbeschreiblich. Servicekosten (das kann ich bei unseren Alarmanlagen vorrechnen) erreichten astronomische Höhen, der Austausch eines Bewegungsmelders (Wert: 30 Euro) konnte sich da schon einmal mit 740 Euro zu Buche schlagen. 

Als N.N. es schaffte, uns neun Tage nach Übersendung einer Rechnung einen Anwaltsbrief mit Klagsdrohung zu schicken, reichte es mir mit dem Konzern endgültig. Wir haben alle N.N.-Geräte eingestampft, durch andere Produkte ersetzt und nie wieder mit denen Geschäft gemacht. Die von dem deutschen Traditionskonzern haben sich mit ihrer Strategie, wie man Geschäfte macht und wie man mit Geschäftspartnern und insbesondere Kunden umgeht, nicht gerade den größten Gefallen getan. Und wer sieht, wie viele Arbeitsplätze gerade dieser Tage bei N.N. den Bach hinunter gehen, wie dieses Unternehmen sich verspekuliert hat, der ahnt, dass da einiges passiert sein muss. Ich glaube fest daran: Für unsauberes Verhalten im Geschäft gibt’s schlussendlich immer eine Rechnung. Siehe Abgas-Skandal. 

Die bei der Lufthansa sollten aufpassen. Die Leute sind nicht ganz deppert. Sie durchschauen. Und sie merken sich. Ich bin überzeugt davon, dass die Lufthansa für ihr jüngstes Vorgehen einen Preis zahlen wird. Und ich glaube, es wird ein hoher sein. 

Womit ich Ihnen verspreche, dass es auch im nächsten Jahr klare Worte von mir an dieser Stelle geben wird. Und mich mit den besten Wünschen für die bevorstehenden Feiertage und einem „Glück auf“ für 2018 schon auf ein neues FaktuM-Jahr freue. 

Herzlichst,

Ihr

Christian W. Mucha, Herausgeber

Bildcredit: Privat