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Wenn man auf über sechs Meter Bände mit in 42 Jahren gesammelten Zeitschriften an der Bücherwand im Büro blicken kann, dann hat man damit natürlich auch ein Tagebuch zur Verfügung. Mit allen Erinnerungen, allen Erlebnissen, allen Skurrilitäten, die einem da widerfahren sind.


Wenn in jener entscheidenden Minute, wo man vor seinen Richter tritt und Rechenschaft über sein Leben ablegen muss, die Frage gestellt wird: „Hast du gelebt?“, dann kann ich die reinen Herzens mit einem kräftigen Ja beantworten. Da haben sich so unglaubliche Dinge abgespielt, da habe ich faszinierende Menschen treffen dürfen, unglaubliche Geschichten enthüllen können – fad war mir nie.


In den letzten Jahren freilich ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet hatte: Leider hat mich vor rund zweieinhalb Jahren eine sehr unangenehme Krankheit ereilt. Nun habe ich zwar das Herz auf der Zunge, mit meiner Erkrankung wollte ich aber niemanden im Geschäft belasten. Also habe ich’s für mich behalten.


Ohne Sie jetzt mit meiner Anamnese belasten zu wollen: Die Verabschiedung der Bauchspeicheldrüse, 20 Mal Durchfall am Tag und der Verlust von 22 Kilo Gewicht alleine im letzten Jahr haben mir ordentlich zugesetzt. Und – mir war klar, dass es so nicht weitergehen kann.


Also beschloss ich, zu verkaufen. Nolens volens. Wer weiß, wie sehr ich in meiner Arbeit aufgehe, der ahnt, wie schwer mir das gefallen ist. Als der Käufer sich nicht gerade als Idealbesetzung entpuppte (um es äußerst vorsichtig zu formulieren), habe ich mir den Verlag zurückgeholt und trotz Krankheit saniert. Dann, im Februar dieses Jahres, das Glückstreffen: Der Lebensberater Christian Aumüller lief mir über den Weg. Empfohlen von meinem Physiotherapeuten. Der hat mich in vier Monaten wieder zusammengeflickt. Und das, was Ärzte, Ambulatorien, Allergiestationen, Unverträglichkeits-Checks nicht zu Stande brachten, hat Aumüller geregelt: Seit Anfang Juni habe ich wieder eine geregelte Verdauung, drei Kilo zugenommen und meine Lebensfreude zurückgewonnen. Also beschloss ich, den Verlag weiterzuführen. Denn gesund macht das alles wieder Spaß, und da ich sonst „gut beieinander“ bin, hoffe ich, schon noch eine Dekade drauflegen zu können.


Nur hatte ich da leider ein kleines Problem eingefangen: Denn nach dem Flop des ersten Verkaufs hatte ich einen zweiten Käufer an der Angel, Thomas A. Schmid, Vorstandsvorsitzender von Hyundai Europa, hatte im März bei seinem Konzern gekündigt und mit mir vereinbart, dass er ab Oktober bei uns eintritt. Als ich Schmid frug, ob er sich vorstellen könne, das Unternehmen langfristig mit mir gemeinsam zu führen, winkte er ab: „Du bist ein Alphatier. Zwei wie wir – das wird à la longue nicht funktionieren...“ Wie recht er doch hat. Nur, wenn ich jemandem im Wort bin, dann halte ich das auch. Da rückte Schmid mit folgendem überraschendem Statement heraus: Er habe mehrere Angebote aus der Automobilbranche, habe mir aber nichts davon sagen wollen, weil er Handschlagqualität habe und sein Wort nicht brechen wollte. Wir brachen beide in Gelächter aus. Also bleibt Thomas A. Schmid unser Aufsichtsratschef in der Stiftung, wird als einer meiner besten Freunde mir in der übergeordneten Gesellschaft zur Seite stehen und ich kann – ohne schlechtes Gewissen – meinen Betrieb die nächsten Jahre weiterführen. Eine tolle Lösung.


Auch die Mitarbeiter haben sich sehr darüber gefreut, wir haben mit der Stammmannschaft langfristige neue Verträge gemacht. Dieses Heft ist also, wenn Sie so wollen, meine Comeback-Ausgabe.


Natürlich kann niemand ausschließen, dass mich irgend etwas Ekeliges krankheitsmäßig erwischt. Aber so lange nichts Derartiges passiert, werde ich wohl leidenschaftlich an Bord bleiben. Und sollte ich jemandem erzählen, dass das jetzt unsere letzte Ausgabe ist – bitte glauben Sie mir nicht ...

 

Christian W. Mucha

(Herausgeber)