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Flughafen Berlin Brandenburg soll im Oktober 2020 in Betrieb genommen werden.

 

Pannen-Flughafen, Milliardengrab, Lachnummer. Die Eröffnung des Flughafen Berlin Brandenburg (BER) ist bei unseren nördlichen Nachbarn ein Running Gag. Jährlich werden großspurig neue Eröffnungstermine verlautbart und die Bevölkerung (vor allem die notorisch zynischen Berliner) lacht sich schlapp. Bereits 2006 erfolgte der Spatenstich für das Großprojekt, im Juni 2012 hätten die ersten Flugzeuge starten sollen.

Was den Hamburgern ihre Elbphilharmonie, ist den Berliner ihr Flughafen BER – einzig, das Konzerthaus am Hamburger Hafen ist mittlerweile in Betrieb, am Berliner Stadtrand wird der aktuell geplante Eröffnungstermin immer unwahrscheinlicher. Denn, dass schon 2019 der Flugbetrieb startet, ist beinahe ausgeschlossen.

 

Krisengeschichte

Die Bauhistorie des Flughafens gleicht einer Krisengeschichte. Daran ist in erster Linie der Hauptterminal schuld. Dort gab es immer wieder Mängel, die vor allem die Entrauchungs- und Belüftungsanlagen sowie den Brandschutz betrafen. Beim Bau des Terminals ging also sehr viel schief. Als Reaktion wurde darauf wurde die Bauleitung ausgetauscht, dann ging auch noch die Baufirma in Konkurs. Nun hat kaum noch jemand genug Überblick, um die nötigen Adaptierungen durchzuführen.

Kurz: Die Lage ist verzweifelt. Laut „Spiegel“-Informationen bastelt man deshalb an einem Notfallplan. Im Schnellverfahren soll in industrieller Fertigbauweise ein Terminal-Neubau aufgezogen werden, der dann schnellstmöglich in Betrieb genommen werden soll. Dann könnten tatsächlich schon 2020 die ersten Flieger vom Flughafen BER abheben, denn sowohl die beiden Piers Nord und Süd, als auch Start- und Landebahnen sowie Roll- und Vorfelder sind von den Behörden bereits abgenommen. Parallel dazu könnte man am Hauptterminal weiterarbeiten.

 

Improvisation

Der Flughafen würde dann also stufenweise in Betrieb genommen werden. Die Flughafengesellschaft hat die vom „Spiegel“ kolportierten Pläne jedoch dementiert. Das Terminal sei von vornherein als Ergänzung, nicht als Alternative, geplant. Dennoch klingt der Plan im „Spiegel“ schlüssiger als das meiste, was man von der Bauleitung zu hören bekommt. Das Zusatzterminal würde nochmal rund 100 Millionen Euro kosten, danach könnte man aber endlich loslegen. Wie lang die endgültige Fertigstellung des Hauptterminals kosten wird – und wie lang diese dauert – ist hingegen kaum abzuschätzen.

Update: Der Zeitpunkt des „Spiegel“-Artikels war kein Zufall. Am 15. Dezember gaben die Verantwortlichen eine Pressekonferenz. Dabei verkündete Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider, dass der Flughafen Berlin Brandenburg im Oktober 2020 in Betrieb gehen soll. Dann wird der Bau des Flughafens rund 15 Jahre gedauert und mehr als 6,6 Milliarden Euro verschlungen haben. Ursprünglich hatte man mit Kosten von 2,5 Milliarden gerechnet. Geld, das der deutsche Steuerzahler aufgebracht hat, denn der Flughafen BER ist im Eigentum der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bundesrepublik Deutschland.

Bildcredit: Flughafen Berlin Brandenburg