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Die Zusammenarbeit zwischen Laudamotion und Thomas Cook scheint endgültig beendet. Der Versuch einer Rekonstruktion

 

Die Entwicklungen des letzten halben Jahres rund um die Fluggesellschaft Laudamotion würden schon Material für ein ganzes Buch bieten. Es begann mit der Insolvenz von Air Berlin, die letztlich auch deren Tochter-Airline Niki mit in den Abgrund zog.

Die Lufthansa Group setzte sich im Bieterwettstreit um die von Niki Lauda gegründete und später verkaufte Fluglinie durch. Es fehlte nur noch die Zustimmung der Wettbewerbsbehörde. Nachdem sich auf diesem Gebiet Probleme anbahnten, zog Lufthansa sein Gebot zurück, und auch Niki musste ein Insolvenzverfahren eröffnen.

 

Insolvenz-Hickhack

Es mangelte nicht an Interessenten: der Reisekonzern Thomas Cook zeigte mit seiner Airline-Tochter Condor Interesse und schloss sich für sein Angebot mit Lauda höchstselbst zusammen, die britische Easyjet gab ein Gebot ab, ebenso wie die spanische Iberia-Billigschwester Vueling und Low-Cost-König Ryanair. Vueling setzte sich schließlich durch.

Doch damit war das Drama nicht beendet. Durch einen Verfahrensfehler – die Insolvenz hätte in Österreich und nicht in Deutschland beantragt werden müssen – ging die Show von vorne los. Wieder wurden Gebote abgegeben – mit anderem Ausgang. Lauda, diesmal im Alleingang, setzte sich durch.

 

Laudas große Pläne

Der frühere Formel 1-Star kündigte große Pläne an. Er wolle mit Niki neu durchstarten, eine Billigairline mit Qualitätsanspruch und Österreich-Fokus auf dem Markt etablieren. Das überraschte die Branche angesichts fehlender Infrastruktur und Laudas Vergangenheit als knallharter Geschäftsmann, der seinem Personal nur wenig Zugeständnisse machte.

Die Infrastruktur schien er aber zunächst in den Griff zu bekommen. Mit Condor und Thomas Cook schloss er eine Vertriebskooperation ab, wodurch schon wenige Wochen nach der Übernahme Flüge der nunmehrigen Laudamotion über die Kanäle des Touristikkonzerns gebucht werden konnten.

Zudem überließ Lauda im Rahmen eines Wetlease-Vertrags vier seiner Airbus-Jets der Lufthansa-Tochter Eurowings. Der Vertrag ist zunächst bis Mai befristet. Eurowings hätte laut Medienberichten Interesse an einer Verlängerung bis zum Ende des Sommerflugplans im Oktober.

 

Irische Starthilfe

Trotzdem war nicht ganz klar, wie die Laudamotion bereits wie angekündigt im Frühjahr abheben sollte. Ende März wurde die Situation etwas klarer. Überraschend wurde verkündet, dass der irische Billigflieger Ryanair mit rund 25 Prozent bei der Laudamotion einstieg – mit einer Option einer Aufstockung auf 75 Prozent der Anteile.

Ryanair sicherte sich somit durch die Hintertür einen Teil von Niki. Zugleich betonte Ryanair-CEO Michael O’Leary, dass Laudamotion mit österreichischer Identität weiterbestehen soll. Zugleich betonte Lauda, dass er „Laudamotion zur bestzahlenden Low-Cost-Airline in Wien entwickeln“ wolle – nur wenige Wochen, nachdem er von der Gewerkschaft hart dafür kritisiert wurde, sein Personal mit Dumpinglöhnen abzuspeisen.

 

Der nächste Akt

Damit nicht genug. Wenige Tage nach dem Ryanair-Einstieg waren keine Laudamotion-Flüge mehr über die Kanäle von Thomas Cook buchbar. Laut Angaben des britischen Reisekonzerns aufgrund von Zweifeln, dass Laudamotion diese überhaupt durchführen könne. Dass man nicht über Umwege das Vertriebsnetz von Ryanair unterstützen wollte, spielte dabei wohl auch eine Rolle.

Auf die Kooperation mit Condor hatte dieser Schritt zunächst noch keinen Einfluss. Mit Ryanair als neuem Partner, konnte Lauda darauf wohl verzichten. Er kam der Thomas Cook-Tochter zuvor und verkündete ein Ende des gemeinsamen Vertriebs, das von Condor bestätigt wurde. Am 9. April wurde schließlich bekannt, dass Flüge von Laudamotion über ryanair.com buchbar seien.

Bildcredit: Laudamotion