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EuGH-Urteil: Airlines müssen Fluggäste von Annullierung unterrichten.

Ein Passagier in den Niederlanden bucht über ein Reiseportal einen Flug. Dass der 24 Stunden Verspätung haben soll, erfährt der Kunde zehn Tage vor seinem Abflug. Der Fluggast verklagt daraufhin Surinam Airways auf 600 Euro Entschädigung (gemäß EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004). Die Airline hält dagegen, sie habe dem Reisevermittler die Verzögerung rechtzeitig mitgeteilt, der Anbieter habe die Nachricht aber deutlich verzögert weitergeleitet. Das Portal wiederum kontert, Surinam Airways hätte den Kunden ja direkt kontaktiert können.
In dem Verfahren ging es folglich um eine Grundsatzfrage: Wann ist die Unterrichtungspflicht über eine Änderung der Flugzeiten als erfüllt anzusehen – auch wenn der Flug über Drittanbieter gebucht wurde?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat dazu nun ein Urteil gefällt: Egal, ob ein Passagier bei der Airline direkt oder über einen Reisevermittler gebucht hat – es ist an der Airline, zu beweisen, dass sie den Kunden mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit über die Annullierung seines Flugs unterrichtet hat. Es reicht nicht aus, wenn die Fluggesellschaft nur den Reisevermittler informiert hat. Wurde der Kunde nicht rechtzeitig von der Flugverschiebung in Kenntnis gesetzt, muss die Airline einen Ausgleich leisten.

Klare Linie

Das Verbraucherportal für Fluggastrechte Flightright begrüßt die Entscheidung der Luxemburger Richter und dass nun kein Unterschied mehr zwischen Fluggästen, die über einen Reisevermittler oder direkt bei der Airline gebucht haben, besteht. Zuvor war die Rechtsprechung Auslegungssache: Einerseits mussten Airlines häufig am Ende nicht zahlen, wenn sie den Reisevermittler rechtzeitig informiert haben. Andererseits sahen Richter das Risiko des „Nichtinformierens“ und somit auch die Haftung bei der Airline, wenn diese nur den Reisevermittler und nicht den Passagier direkt rechtzeitig informiert hat.
„Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs bindet die Gerichte in allen Mitgliedstaaten in ähnlichen Fällen – es herrscht insofern europaweit eine klare Linie“, sagt Philipp Kadelbach, Mitgründer und Geschäftsführer von Flightright. „Jetzt bekommen Passagiere ihre rechtmäßige Entschädigung, egal ob sie über die Airline direkt, ein Reisebüro oder ein Flugportal im Internet gebucht haben. Die Fluggesellschaft ist nun in der Pflicht, rechtzeitig zu informieren oder zu entschädigen.“

Kadelbach weiter: „Das Urteil ist vor allem in Hinblick auf die kommende Reisesaison für alle Fluggäste ein klares Zeichen, dass sie auf ihr Recht auf Entschädigungen bestehen müssen und sich nicht mit Ausreden abspeisen lassen. Die Entschuldigung der Airline, sie habe rechtzeitig den Reisevermittler und somit den Kunden informiert, wurde nun ein für alle Mal entkräftet.“

17.05.2017 / red
Bildcredit: Pixabay/MichaelHenninger