Nach Reinhard Kotzaureks freiwilligem Abgang bei Thomas Cook Austria wurde Nachschub aus Deutschland geholt: Ioannis Afukatudis leitet seit Kurzem die Geschicke des Unternehmens.
Die Nachricht schlug ein: Am 9. Juli 2010 wurde der sofortige Vorstandswechsel bei Thomas Cook Austria bekanntgegeben. Reinhard Kotzaurek, seit Oktober 2006 in der Führungsetage und seit 2007 – nach dem Abgang von Mathias Steinberg – allein an der Spitze, legte in einer Aufsichtsratssitzung sein Mandat nieder.
Abgesehen von einigen unvermeidlichen Das-war-eh-klar-Zwischenrufern war sein Ausscheiden für die meisten wohl doch eine ziemliche Überraschung. Zum Beispiel für Thomas Cook.
Zu den weniger Erstaunten dürfte die TUI zählen. Zu der Kotzaurek wechselt. Selbstverständlich ist noch nichts offiziell, Kotzaurek zumindest auf dem Papier immer noch bei Neckermann/Thomas Cook, nichts Genaues weiß man nicht. Doch aus Insider-Kreisen wurde – „off records“, versteht sich – mehrfach bestätigt: Der scheidende CEO habe ein sehr gutes Angebot von der TUI bekommen, er werde dort etwas „ganz anderes“ machen. Was dieses „ganz andere“ sein wird, darauf darf man gespannt sein. Die Gerüchteküche brodelt jedenfalls vor sich hin, bis zur offiziellen Bekanntgabe seiner neuen Aufgabe (was bei einem Konzern wie TUI ein Weilchen zu dauern pflegt) werden munter die Möglichkeiten diskutiert.
Unbestritten dürfte jedenfalls sein: Kotzaurek hat in den letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht. Als er 2006 (zunächst als CMO) zur Thomas Cook Austria AG stieß, hatte er bereits einige Stationen hinter sich: nach der Ausbildung zum Reisebüroassistenten bei Phönix avancierte er dort zum Verkaufsleiter, war später bei Lauda Tours (Verkaufsassistent), Sporthobby Reisen (Geschäftsführer) und der 10-prozentigen TOC-Beteiligung L’TUR (General Manager) tätig.
Kotzaurek hat Thomas Cook Austria in den Jahren seiner Tätigkeit dort massiv nach vorne gebracht. Das vormals defizitäre Unternehmen erholte sich wieder, das Franchise-Konzept im Vertrieb wurde erfolgreich gestartet, die Passagierzahlen konnten sich sehen lassen. Die erfolgreiche Arbeit bestätigt auch Aufsichtsratsvorsitzender Michael Tenzer, der in einer Aussendung den gelungenen Turn-around unter Kotzaureks Ägide lobte.
Bei der kürzlich erfolgten Präsentation der Winterkataloge stand bereits der neue CEO von Thomas Cook Austria in erster Reihe: Ioannis Afukatudis. Der zwar erzählte, dass er außer seinem Arbeitsumfeld und dem Hotel in Wien noch nicht viel kennengelernt habe, sich aber in seiner neuen Tätigkeit bereits heimisch zu fühlen scheint: Wenn er etwa über das präsentierte Programm sagt, dass „wir den Ausbau seit 2007 stark vorangetrieben haben“, überrascht die Selbstverständlichkeit, mit der er den Plural verwendet. Auch, wenn Afukatudis schon bisher im Thomas Cook-Konzern tätig war.
Seit 1999 war Afukatudis Geschäftsführer von Bucher Reisen, dem Spezialisten für Last Minute- und Kurzfrist-Urlaub innerhalb der Thomas Cook AG. Das ist er – zumindest auf dem Papier – im Grunde auch noch. Seine Anwesenheit in Wien wird seine Tätigkeit für Bucher aber wohl auf ein Minimum beschränken, bis dort ein Nachfolger für ihn gefunden ist.
Der Einsatz von Afukatudis wurde als Interimslösung kommuniziert. Es scheint allerdings recht wahrscheinlich, dass er nicht nur für eine Übergangszeit auf dem Chefsessel von Thomas Cook Austria bleiben wird. Das sieht der Protagonist, der im persönlichen Gespräch sagt, er werde seine Familie heuer noch nicht nach Wien holen, weil das Schuljahr gerade beginnt, ähnlich.
Thomas Cook Reisen sei in Österreich zwar gut positioniert, das Potenzial der Veranstaltermarke sei allerdings längst noch nicht ausgeschöpft, geht der Neo-CEO mit Tenzer (Geschäftsführer Touristik Thomas Cook AG) konform. Man wolle in Österreich wieder wachsen, aber nicht auf Kosten der Profitabilität. Die Kapazitätsplanung solle daher weiterhin moderat gehalten werden (in den letzten Jahren wurden Kapazitäten gekürzt), um Gewinn und Margen größtmöglich zu halten.
An der Ausrichtung von Thomas Cook Reisen wird ebenfalls gefeilt. Zum Beispiel sei die Marke bisher „zu spitz“ auf das Premium-Segment ausgerichtet gewesen. Deshalb arbeitet man daran, das Angebot für breitere Kundenschichten attraktiv zu machen und „das Bild von Thomas Cook abzurunden“: neue und mehr Bausteine, neue Zielgruppenprodukte, Sparmodelle, die nun im Gleichschritt mit Neckermann Reisen angeboten werden (beispielsweise Aktionszimmer, Family Sparpaket, 55 Plus Rabatte), … „Ich bin sicher, dass wir noch mehr Kunden von den Vorteilen von Thomas Cook überzeugen können“, so Afukatudis.
Das Aufbrechen der „Premium only“-Ausrichtung und Afukatudis’ Background als Experte im Low-Cost-Bereich sind aber als Eins-plus-eins-Rechnung nicht zulässig. Sagt Afukatudis. „Das wird bereits seit langem vorbereitet und hat mit mir nichts zu tun.“ Man wolle auch keine Billigmarke werden; die Kernzielgruppe für Thomas Cook bleiben Urlauber mit gehobenen Ansprüchen. Zum Thema Preis, das freilich ein nicht zu vernachlässigendes sei, hat der frisch gebackene Österreich-Chef eine knackige Prognose auf Lager: „Ich bin überzeugt, das Thema Konzept wird langfristig den Preis schlagen.“ Als gutes Beispiel dafür nennt Afukatudis die Marke Sentido Hotels & Resorts, die immer mehr an Bedeutung gewinne.
Think Pink
Was festgehalten werden darf: der neue Thomas Cook Austria-Chef tritt recht überzeugend auf. Selbst, wenn es um weniger angenehme Themen geht.
Dem Sorgenkind Großbritannien (der Thomas Cook-Heimatmarkt macht laut Mathias Brandes, Head of Communication Germany, rund ein Drittel des Konzernergebnisses aus und leidet derzeit massiv) wird ein Gästeplus in D-A-CH von 3 Prozent im August entgegengehalten. Aus dem Aschewolke-Intermezzo etwa zieht Afukatudis folgendes Fazit: Die positiven Kundenreaktion auf das Krisenmanagement des Veranstalters machen die Angelegenheit zu „einer echten Werbung“ für die Marke. Diese Herausforderung habe weiters gezeigt: „Die Pauschalreise lebt und ist lebendiger denn je“ – damit verbundene Werte wie Sicherheit und Qualität werden durch Krisensituationen betont.
Ähnliches gilt für Griechenland: Der entstandene Imageschaden habe zu Buchungseinbrüchen von 20 bis 30 Prozent geführt, stellt Afukatudis klar, nach erster Beruhigung verursachten die Streiks im Juli erneut eine Talfahrt. Insgesamt aber liege man nur knapp hinter dem Vorjahr. „Ich glaube, es gibt Inseln, da liegen wir sogar im Plus …“
Kommentar: Getrübte Bilanz
Die Wirtschaftskrise ist an der Tourismusbranche nicht spurlos vorüber gegangen. Auch die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyafjalljökull hat ein Übriges dazu beigetragen, dass Europas zweitgrößter Tourismuskonzern, die britische Thomas Cook AG, mitten in der Hauptreisezeit schlechte Finanzzahlen verkünden musste.
Mit rund 81 Mio. Pfund beziffern die Briten den Gesamtschaden der Gruppe. Das sind knapp 100 Mio. Euro, die den Touristikern heuer in der Bilanz abgehen. Vor Steuern wurden im Quartal von Anfang April bis Ende Juni 116,6 Mio. Pfund (140 Mio. Euro) Verlust eingefahren. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn vor Steuern von 2,9 Mio. Pfund ausgewiesen worden.
Dass man damit nicht zufrieden ist, ist klar. Immerhin bescherte allein die Aschewolke allein 28 Mio. Pfund (34 Mio. Euro) an entgangenen Gewinnen durch Flugausfälle und Rückholungen von Urlaubern. „Im dritten Quartal war der Gewinn um 10 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wenn wir die Auswirkungen der Margenverluste, die auf die Störungen durch die isländische Vulkanasche zurückzuführen waren, ausklammern“, versucht Thomas-Cook-CEO Manny Fontenla-Novoa zu beruhigen. Traditionell verdienen Tourismuskonzerne in den Ferienmonaten Juli und August am meisten. Das operative Ergebnis für das Gesamtjahr werde auch ohne die Auswirkungen der Vulkanasche am unteren Ende der Markterwartungen liegen, dämpft er die Erwartungen von Aktionären und Analysten.
Schwer eingebrochen ist das Geschäft in Großbritannien, dem wichtigsten Markt der Gruppe. Neben dem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld und dem schwachen britischen Pfund macht sich nun auch die jüngste Abschwächung des Euro bemerkbar. Umgelegt auf die ersten Monate hat man einen Verlust von 368,8 Mio. Pfund eingefahren. Das sind umgerechnet 445 Mio. Euro. Eingepreist sind bereits alle Vulkan-- und Wechselkurs-Effekte. „Vorsorglich haben wir die Winterkapazität reduziert und die Sommerkapazität insgesamt nicht ausgeweitet“, erläutert Fontenla-Novoa das vorläufige Zwischenergebnis. Verhältnismäßig gut entwickelt sich der österreichische Markt, der gemeinsam mit Deutschland und der Schweiz in der Region Zentraleuropa konsolidiert ist. „Wir sind in den Erwartungen“, sagt Österreich-CEO Ioannis Afukatudis. Die Sommerbuchungen liegen etwas mehr als drei Prozent über den Vorjahreswerten, obwohl die Preise aber um ebenfalls drei Prozent zurückgegangen seien.
Hoteliers in Griechenland etwa hätten es verstanden, dass sie etwas tun müssen. „Manche haben 30 bis 40 Prozent Nachlass gewährt“, sagt Afukatudis. Damit sollten sich die Auswirkungen der Griechenlandkrise auf das Gesamtjahresergebnis in Grenzen halten. Denn schließlich wolle man im kommenden Geschäftsjahr wieder wachsen.
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