„A runde G’schicht“

 

Eurotours knackte 2009 nicht nur die Passagier-Million, sondern erreichte auch erstmals die 200-Mio.-Umsatzgrenze. 2010 wird die größte Incoming-Agentur Zentraleuropas und Österreichs größter Direkt-Reiseveranstalter 30 Jahre alt.

 

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Die Tricks der Parasiten

Die Tourismusbranche ist für viele Menschen die Einnahmequelle Nummer eins. Doch nicht alle haben ehrliche Absichten. Keiner ist vor Betrügereien gefeit. Von dem oft locker sitzenden Geldbeutel der Reisenden profitieren leider nicht nur Taxifahrer, Reiseführer, Andenkenverkäufer, Ramschläden, Restaurants oder Diskotheken. Neuerdings zocken auch Online-Kriminelle Urlauber kräftig ab.


Erst kürzlich gab es wieder Aufregung um die eigentlich kostenfreie Bewilligung für die Einreise in die Vereinigten Staaten. Touristen müssen seit einem Jahr spätestens 72 Stunden vor Reiseantritt eine Einreise-Bewilligung beantragen. Mit der Genehmigung können sie sich für 90 Tage ohne Visum in den USA aufhalten. Reisewillige sind Betrügern in die Falle gegangen und mussten bis zu 250 US-Dollar für den Internet-Antrag zahlen, da sie diesen nicht auf der offiziellen Website der US-Regierung ausgefüllt haben, sondern bei einem betrügerischen Drittanbieter.

 

Dabei haben jene Reisenden nichts anders gemacht, als es praktisch jeder tut, wenn er im Internet etwas sucht. Schnell den Begriff ‚ESTA‘ (Electronic System for Travel Authorization) in Google eingegeben, erhält man als Top-Treffer oft Websites mit Betrugsabsichten, die für das Einreichen von ESTA-Anträgen eine Gebühr erheben – teilweise sogar bis 250 US-Dollar, weiß man in der ÖAMTC-Touristik. „Diese ‚privaten Dienstleister‘ stehen in keinem Zusammenhang mit dem US-Ministerium für Innere Sicherheit, sondern beabsichtigen bloße Geschäftemacherei“, erklärt ÖAMTC-Touristikerin Silvie Bergant.

 

Institutionen appellieren daher, auf die Originalseite der US-Behörde (https:// esta.cbp.dhs.gov) zu achten. Die Datenübertragung ist zwar verschlüsselt, der Vorgang aber keineswegs immer gratis, wie der „Kurier“ aufdeckt: Denn die US-Botschaft in Wien lässt sich ihre telefonische Hilfestellung kräftig honorieren. Wer zum Hörer greift und die Hotline anwählt, dem werden 2,16 Euro pro Minute verrechnet.

 

Falle Internetcafé

Experten warnen generell vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit persönlichen Daten im Internet. Auch während des Urlaubs. Gerade Internetcafés können sich als Fallen entpuppen. Das Abrufen des Kontostands, die Umbuchung von Flügen per Kreditkarte oder die Nutzung von ungesicherten WLANs bergen für unaufmerksame Touristen nachträglich manch unliebsame Überraschung. Die größte Gefahr geht dabei immer noch von schlecht geschützten Cyberanbietern aus. Der Computer im kleinen Internetcafé am Karibikstrand kann durchaus hochgradig mit Malware verseucht sein und liefert findigen Online-Kriminellen die begehrten Nutzerdaten frei Haus.

 

Abseits von Online-Kriminalität, die eine moderne Form darstellt, ist Korruption ein gesellschaftliches Phänomen. In unterschiedlichen Ausprägungen ist kein Staat, keine Verwaltung, kein Unternehmen, kein Tourist vor ihr gefeit. Auch wenn es scheinbar um Bagatelldelikte geht, fühlt sich der Konsument schnell abgezockt.

 

Taxi-Test in Prag

Ebenfalls öfter in die Schlagzeilen geraten, eine richtige ‚Abzock-Hochburg‘ zu sein, ist die goldene Stadt Prag. Viele Besucher aus dem Ausland klag(t)en über die betrügerischen Taxifahrer in Tschechien. Prags Oberbürgermeisters Pavel Bem nahm, als Italien-Urlauber verkleidet, die Taxifahrer der Stadt unter die Lupe und musste dabei feststellen, dass man ihm fast überall zu viel in Rechnung gestellt hatte. Sicher kein Einzelfall. Der Taxi-Test ist zwar schon eine Zeit her, aber trotzdem brandaktuell und kann wohl in vielen Städten 1:1 wiederholt werden.

 

Als Konsequenz mussten 91 Taxifahrer Strafen in Höhe von umgerechnet insgesamt 177.500 Euro zahlen. Gut, dass die Tschechen den Euro noch nicht eingeführt haben: Zumindest für windige Geldwechsler. Denn auch dieses Geschäft lebt vom Abzocken ahnungsloser Touristen. Während Banken einem amtlich festgelegten Wechselkurs unterliegen und fixe Gebühren für den Umtausch verrechnen, ist das bei Wechselstuben nicht so klar. Ausbezahlt bekommt man oft um fast ein Viertel weniger als angepriesen wird. Damit liegt der Kurs der Wechselstube natürlich weit unter dem der Banken. Schließlich ist auch der Andrang der Touristen im historischen Zentrum groß. Da lässt es sich vorzüglich absahnen. Für Reisende empfiehlt sich der Weg zum Bankomaten, denn dort schneidet niemand so ungerechtfertigt mit.

 

Solche Fälle beschränken sich natürlich nicht auf Prag. Auf der ganzen Welt wird beim Geldwechsel an Kommissionen überproportional verdient. Es ist allerdings seltsam, dass Fremdenverkehrsämter in Touristen-Hochburgen solche Methoden nicht abstellen. Liegt es am Können oder Wollen? Immerhin gefährdet so ein Verhalten das Image und schadet dem Standort.

 

Abzocke bei Werbefahrten

Ähnlich ist es mit Werbe- und Kaffeefahrten aus Pseudo-Gewinnspielen: Da locken Busreisen mit Gratisessen und tollen Preisen nach Sopron oder wo anders hin ins benachbarte Ausland, denn bei uns sind solche Veranstaltungen gesetzlich streng geregelt. Erst kürzlich wieder hat die Fachzeitschrift „Konsument“ eindrücklich vor der Abzocke durch Werbefahrten gewarnt: „Warum wir solche Geschäftemacher nicht vor Gericht bringen? Auf den Einladungen ist nur ein Postfach angegeben. Das wechselt blitzschnell, so wie der Firmenname.“

 

Es muss nicht unbedingt eine Busfahrt sein: Auch an der türkischen Riviera bemüht man sich, Ferienanlagen in den Wintermonaten voll zu bekommen. Reisen in dieser Zeit sind günstig und werden oft als Gewinnspiel ausgespielt. Betriebsbesichtigungen bei Bekleidungs-, Teppich- oder Schmuckmanufakturen inklusive. Überteuerte Souvenirs wechseln schnell den Besitzer. Überteuert auch deshalb, weil dutzende „Agents“ mitschneiden, denn Hoteliers, Reiseführer, Transporteure und Manufaktur arbeiten zusammen. Mit einer satten Provision – vom Touristen zu tragen – kommen alle auf ihre Rechnung.

 

Oft kommt es vor, dass für einen Teppich das bis zu Fünffache des tatsächlichen Wertes bezahlt wird. Verkaufs-Praktiken, wo die auf der Kreditkartenrechnung aufscheinende Firma nicht ident mit dem Firmennamen auf den Verkaufsunterlagen ist, sind keine Seltenheit, berichtet der „Konsument“. Mit diesem Trick könne etwa die Anzahlung am türkischen Finanzamt vorbeigeschleust werden. So mancher Reiseveranstalter kassiert bei derartigen Praktiken bis zu 40 Prozent der Verkaufspreise.

 

Mentalität der Käuflichkeit

Trotzdem sind Werbefahrten beliebt und funktionieren immer nach dem selben Schema. Grundsätzlich ist ein derartiges Verhalten in hohem Ausmaß kulturabhängig. In vielen Ländern ist die Unterscheidung zwischen zulässigem Vorteilsgewinn und Korruption von Bedeutung, da hierbei die Grenzen oft nicht klar definiert sind, sondern vor allem vom kulturellen Hintergrund abhängen. Dr. Wolfgang Hetzer vom Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) sieht gerade im länderspezifischen Kontext eine „Mentalität der Käuflichkeit“: „In gewissen Ländern ist das Gefühl für Familienhaftigkeit einfach ausgeprägter als in anderen“, skizziert der Experte mafiöse Strukturen in mancher Region.

 

Eine mehr oder weniger kleine „Maut“ wird allerdings fast überall erwartet, wenn es um eine Dienstleistung im Tourismus geht. Bei der Ausstellung von Visa hilft da schon der eingelegte Geldschein im Reisepass. Entscheidend ist oft der wirtschaftliche Zwang, ob jemand nach Nebenverdiensten sucht. „Eine erhöhte Abgeltung wird dann oft als Zusatzverdienst zu den Trinkgeldern gesehen“, erklärt Hetzer.

 

Korrupte Behörden gibt es in vielen Ländern mit touristischen Zielen. Eine mehr oder weniger freiwillige monetäre Zuwendung besitzt dann oft eine konfliktvermeidende Funktion. Kaum jemand, der noch nichts von einer Abzocke durch Polizei oder Behörden in einem Urlaubsland berichten kann. Strafzettel gibt es bei polizeilichen Amtshandlungen selten bis nie. Wohin das Geld tatsächlich fließt, lässt sich nur erraten. Die eine oder andere Geldstrafe bei einem „Zollvergehen“ verschwindet in den privaten Taschen der Zöllner. Bei Verkehrsübertretungen gibt es oft gestaffelte Tarife je nach Herkunftsland und Bonität des Ortsunkundigen. Ausländische Touristen werden dann schlicht und einfach ausgenommen.

 

Top-Reiseschikanen

Ungerechtfertigte Strafen im Zusammenhang mit Maut oder Vignette, das Gefühl der Abzocke und Maßnahmen wie die ungerechtfertigte Konfiszierung von Fahrzeug, Führerschein oder Zulassungsschein listen die ÖAMTC-Rechtsberater in ihrem Top-Ranking der Reiseschikanen als die häufigsten Schikanefälle, mit denen sie von Mitgliedern konfrontiert wurden, auf.

 

Im „Reise-Schikanen-Ranking“ des Clubs führt Italien mit den meisten gemeldeten Problemfällen unangefochten vor Slowenien, Deutschland, Kroatien und Ungarn. Umweltzonen und Fahrverbote sind oft Fallen für Autofahrer, in die sie aufgrund von undeutlichen Hinweisen unfreiwillig geraten. Etwa die „zona traffico limitato“ ist eine in vielen italienischen Städten bestehende begrenzte Zone, in die man nur mit Sondergenehmigung einfahren darf. Italienische Behörden versuchen über Inkassobüros auch alte, verjährte Strafen einzufordern.

 

Besonders in Slowenien, Ungarn und Kroatien herrscht laut ÖAMTC Behördenwillkür. Vor allem das Verhalten von Vignettenkontroll-Organen rund um die slowenische Vignettenpflicht ist nach wie vor ein heißes Thema. Beispielsweise wurden Autofahrer ohne Vignette von der Polizei auf eine mautpflichtige Autobahn umgeleitet und dort abgestraft. Autofahrerklubs raten daher Reisenden nach oder über Slowenien, sich vor der Fahrt eingehend zu erkundigen. So dürfte es beispielsweise auch weitgehend unbekannt sein, dass in Slowenien sogar ein Ersatzlampenset mitgeführt werden muss. So wie sich die Beschwerden häufen, macht die slowenische Polizei durchaus von ihrem Recht Gebrauch, Fahrzeuge, Wertgegenstände oder Dokumente bis zur Bezahlung der Strafe sicherzustellen.

 

Auch beim Ausleihen eines Mietwagens am Urlaubsort ist man vor Schikanen nicht gefeit. Da kann es schon einmal vorkommen, dass bei Rückgabe des Wagens Schäden verrechnet werden, die nicht vom bezahlenden Mieter verursacht worden sind.

 

Für alle, die nicht mit dem PKW unterwegs sind, hält auch die Luftfahrt genug Schmankerl parat, wo kräftig zur Kasse gebeten wird. Ryanair bringt sich einmal mehr mit einer gewichtigen Idee in die Schlagzeilen: Die irische Fluglinie erwägt jetzt eine so genannten „Fat-Tax“: damit sollen dicke Menschen mehr zahlen als andere Passagiere. Allerdings ist noch nicht klar, ob eine solche Gebühr besser nach Körperumfang oder Gewicht bemessen werden sollte. Neben Nacktscanner & Co könnte dann an jedem Gate eine große Waage stehen, wo zu „starke“ Fluggäste zumindest monetär leichter werden. Ryanair-Chef Michael O-’Leary, bekannt für seine Kreativität, hat davor schon über eine Toilettengebühr bei Flügen mit seiner Airline nachgedacht. Umgerechnet 1,10 Euro soll jeder Gang zur Erleichterung kosten, denn „Toiletten an vielen Bahnhöfen seien ebenfalls nicht kostenlos“, argumentiert der Ryanair-Boss.

 

Teure Billigflieger

Dass Reisende bei so genannten Billig-Fluglinien gar nicht wenig zur Kasse gebeten werden, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Jede Extra-Leistung kostet eben auch ein wenig extra. Es beginnt bereits bei der Buchung, wo bei manchen etwa für einen Ticketkauf am Airport-Schalter oder über das Telefon satte 25 Euro fällig werden. Die Kreditkartengebühr von 6 weiteren Euros fällt da gar nicht mehr ins Gewicht. Sitzplatzreservierungen schlagen dann mit 5 bis zu 25 Euro für einen Sitz mit extra Beinfreiheit zu Buche.

 

Manche Billig-Airlines verrechnen noch Schaltergebühren von 40 Euro – pro Person und Flug versteht sich – sowie zusätzlich eine Online-Check-in-Gebühr von 5 Euro. Anders als bei so genannten Netzwerk-Carriern, wo 20 kg Freigepäck im Ticketpreis inkludiert sind, zahlt man bei vielen Billig-Airlines zusätzlich. Auch die Verpflegung an Bord ist mittlerweile zum Kostenfaktor geworden. Tee, Kaffee, kalte Getränke und Snacks werden von den internationalen Fluggesellschaften in der Regel noch kostenlos serviert. Auf üppige Mahlzeiten wird längst verzichtet. Manche Fluglinie bietet daher Speisen – vom Croissant bis zu einem warmen Gericht – zum käuflichen Erwerb an Bord an. Da werden dann schnell 15 Euro für ein klassisches Flugzeugessen fällig.

 

 

Grauzonen

Jedem Reisenden kann deshalb nur geraten werden, sich zu informieren und gut aufzupassen, denn im Urlaub sitzt die Geldbörse bekanntlich oft locker. Der Tourismus ist natürlich in vielen Urlaubsländern die Haupteinnahmequelle, von der meist eine ganze Region, Dienstleister und Zulieferer leben. Fremdenverkehrsämter sind oft nicht bereit, solche  - nicht ganz korrekten - Methoden abzustellen. In der Branche redet man über dieses Thema öffentlich auch nicht gerne.

 

MMag. Isabella Spazierer-Vlaschitz vom Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung in Wien sieht sich einer Unzahl von Korruptionsphänomenen im öffentlichen wie im privaten Sektor gegenüber. „Wir legen derzeit aus Gründen der Zeit- und Personalkapazität unseren Arbeitsschwerpunkt auf den Bereich öffentlicher Dienst“, so die Expertin auf FaktuM-Anfrage. Denn derzeit liegen zum Thema „Korruption in der Tourismusbranche“ kaum gesicherte empirische Daten vor.

 

„Beim Tourismus ist es wie in jeder anderen Wirtschaftsbranche so, dass die empirische Bestandsaufnahme ganz schwer ist. Das Dunkelfeld ist groß, es gibt verschiedene Grauzonen, wo Geldflüsse eine Rolle spielen. Gewisse Einflussnahmen sind meist gar nicht strafbar“, kommentiert OLAF-Experte Hetzer die Schwierigkeit der Situation im Tourismus. Neben der begrifflichen Abgrenzung sind auch die Kriterien der Messung schwierig. Ermittlungsverfahren und rechtskräftige Verurteilungen gibt es natürlich nicht in jedem Fall, ist doch die Handhabe in punkto unlauterer Wettbewerb aufgrund der Strafgesetze in den einzelnen Ländern recht unterschiedlich streng. Auch sind die Überwachungsinstrumente zur Korruptionsbekämpfung und -prävention länderspezifisch sehr verschieden.

 

Überall wo Geld eine Rolle spielt, gibt es Verflechtungen. Verdeckte Parteispenden und Vorteilszahlungen gehören da dazu. „Immerhin wollen über 300 Mrd. Euro aus dem Strukturfond in Europa verteilt werden“, berichtet Hetzer. Aufgrund des Publikumsinteresses sind Großveranstaltungen wie die kommende Fußball-WM in Südafrika oder die Spiele in der Olympiastadt Sotchi prädestiniert für touristische Sonderzahlungen, da die Chance größer ist, hohe Gewinne dabei zu machen. Da fließen durchaus hohe Summen aufgrund des Werbeinteresses, die gar keine Korruption darstellen. Eine Grauzone.

 

„In Wirklichkeit werden wir alle Opfer von Korruption, wenn wir einen höheren Preis zahlen müssen als notwendig wäre“, bringt es Hetzer auf den Punkt. „Die Allgemeinheit wird geschädigt, wenn in Ausschreibungen Zuwendungen zur Bereicherung von bestimmten Leuten fließen.“ Für Parasiten und Mitesser offensichtlich (noch) ein Eldorado.

 

Bild: iStock

 

 

 

 

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